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Full text of "Maulbronn eine Studie zur deutschromanischen Bauentwicklung des XII. Jahrhunderts"

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Paul Schmidt 




Genehmigt von der philosophischen Fakultät der Universität 
Strassburg am 25. Juli 1903. 



MEINER MUTTER. 



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I 



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I. ABSCHNITT. 



Maulbronn. 

Im Jahre 1138 wurde ein Zisterzienserkloster von Walter von 
Lomersheim in Eckenweiler gegründet und mit Mönchen aus Neuburg 
im Elsass besetzt; 1146 oder 1147 siedelten sie nach Maulbronn 
über. Der Beginn des Kirchenbaues wird nicht gemeldet; 1178 
wurde die Kirche eingeweiht. 1 Damit ist die Reihe der über- 
lieferten baugeschichtlichen Daten erschöpft. 

Die Anlage des gesamten Klosters weist eine grosse Regel- 
mässigkeit auf, deren Proportionen auf einer bestimmten Basis be- 
ruhen, nämlich der lichten Weite des Chores. 2 Derartige Zahlen- 
harmonien, in der romanischen und gotischen Baukunst sehr 
verbreitet, finden sich doch auf so grosse Komplexe erstreckt 
nicht häufig. Es ist also mehr als wahrscheinlich, dass der Grund- 
riss der gesamten Anlage schon früh festgestellt wurde, wie dies 
auch sonst bei Klosteranlagen üblich war. Man steckte die Grund- 
risse mit vorausschauendem Blick in recht stattlichen Dimensionen 
ab, die für eine spätere, grössere Bewohnerzahl berechnet waren, 
der geringen Bevölkerung eines neubegründeten Klosters aber 
gewiss nicht entsprachen; errichtete zunächst hölzerne Notbauten 
und ersetzte sie nach und nach durch monumentale Gebäude, je 
nachdem es die Mittel erlaubten. In Maulbronn wuchs, durch reiche 
Schenkungen umwohnender Ritter und durch die fortgesetzte Gunst 

1 Klunzinger, Urkundliche Geschichte von Maulbronn, Regesten 
S. 3. 4* 

2 Genaueres Uber diese Proportionen, die baugeschichtlich weiter 
kein Interesse bieten, s. bei Paulus, Maulbronn S. 14 f. 20 f. Hierund 
im WUrttemb. Inventar zahlreiche Detailabbildungen. Vergl. dazu 
Schafer, Eberbach, S. 22 ff. Simon, Der romanische Wohnbau S. 38 f. 



der Speyrer Bischöfe, der Wohlstand mit solcher Stetigkeit, dass 
ein Jahrhundert von der Gründung an beständig gebaut werden 
konnte, und noch vor dem endgiltigen Siege der Gotik in Deutsch- 
land die wichtigsten Bauten vollendet waren. Daher bietet die 
Baugeschichte dieses ersten Jahrhunderts einen so ruhigen Fluss 
der Stihvandlung auch in leiseren Nuancen, dass man schwerlich 
ein besseres Beispiel für die architektonische Entwicklung von 
1150—1250 finden wird. 

Die Kirche mag gegen 1150 gegründet worden sein. Die 
Ostteile sind zwar erst ca. 11 70 vollendet worden, aber es be- 
stehen Gründe, die Erbauung dieser Teile als sehr langsam an- 
zunehmen. Einige wenige Steinmetzzeichen kommen an ihnen vor, 
was in so früher Zeit überhaupt eine Seltenheit ist. 1 Aber sie 
treten in so grosser Anzahl auf, dass die Vermutung begründet 
ist, nur wenige Steinmetzen hätten in dieser ersten Zeit das Material 
bearbeitet. Vor allem aber hat die genaue Untersuchung des 
Mauerwerkes ergeben, dass an Chor und Querschiff drei Bau- 
perioden zu unterscheiden sind. 

I. Periode. Ostkapellen. 

Die Kirche hat, wie jede zisterziensische, Kapellen im Osten 
des Querschiffs, und zwar sind es, abweichend von der gewöhn- 
lichen Regel, deren ' drei zu jeder Seite des Chores. 2 Das Be- 
merkenswerte an ihnen ist hier, dass sie den ältesten Bestand der 
Kirche darstellen, dass der Chor zwischen ihnen jüuger ist und 
ebenso die Westwand des Querschiffs, wie es Fig. 1 deutlich 
macht. Und zwar stehen in dieser Periode nur erst die Ostmauern, 
und die Scheidewände der Kapellen ; sämtliche Vorlagen, Säulen, Kapi- 
telle und Wölbungen sind später hinzugekommen, denn die schmalen 
Vorlagen für die Eingangsgurte und die Ecksäulen für die Diagonal- 
rippen sind nicht bündig, sondern später an die Mauern angesetzt, 
folglich sind auch die darauf ruhenden Gewölbe nicht aus der 
ersten Periode. Nur die kahlen, schmucklosen Mauern waren er- 
richtet, ohne eine Spur von Sockel und Gliederung und ohne* 



1 Vergl. Rgiha, Studien Uber Steinmetzzeichen S. 33; Uber ihre 
Bedeutung siehe unten S. 9 Anm. 2. 

* Wie z. B. noch in Eberbach und Otterberg. 



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jede Sorgfalt des Quaderbeschlags. Die Steine sind zwar dem 
Anscheine nach dieselben, die für die ganze Kirche gebraucht 
wurden, gelblicher Schilfsandstein, der noch heute in unmittelbarer 
Nähe des Klosters aus mehreren Steinbrüchen gewonnen wird. 
Aber sie sind zu kleinen Bausteinen mit der einfachen Spitzhacke 
zugehauen, von kunstvollerer Glättung ist keine Rede; mit reich- 
licher Mörtel Verwendung wurden sie zu 1,20 bis 1,50 m dicken 
Mauern aufgeschichtet, ca. 4 — 5 m hoch. 

Alle Vermutungen, die sich an einen so anormalen Baubeginn 
knüpfen, führen ins Irre. Man kann sagen, die ersten Mönche 
bauten noch ungeschickt und ohne technische Schulung; aber es 
ist nicht recht einzusehen, weshalb man nicht mit dem so viel 
wichtigeren Chor begann. Bestand etwa vor der Errichtung der 
Grundmauern der II. Periode ein früherer Chor, von dem nichts 
erhalten ist? Und wie sah er aus? Hatte man die Kapellen flach 
gedeckt oder wenigstens die Absicht, dies zu tun ? Und wie lange 
Zeit verfloss bis zum Beginn der zweiten Periode, oder schloss 
sich diese unmittelbar daran? Einen Zeugen schwankender Bau- 
absichten liefert der am nördlichen Mauerende in ungefähr 5 m 
Höhe herausragende Simsstein an der Aussenseite. Ein Dachsims 
mit derselben Profilierung findet sich in dem schwäbischen Plie- 
ningen, 1 Ende des 12. Jahrhunderts erbaut. Es war also in Maul- 
bronn eine selbständige Bedachung^ mit einem Kranzgesims wie 
in Plieningen, für die Kapellen vorgesehen, und von ihrer Ein- 
beziehung in das Querhaus scheint noch nicht die Rede gewesen 
zu sein. Das änderte sich sogleich in der zweiten Periode. 

Die Mauerstärke nach dem Chor zu habe ich in der Grund- 
risszeichnung (Fig. l) eben so gross gezeichnet, wie die der 
übrigen Scheidewände, obwohl ein sichtbares Zeichen dafür nicht 
vorliegt. Wären aber die Chormauern schon in der jetzigen 
Stärke errichtet, so müsste sich an der Innenseite im Chor bei aa 
eine Fuge zeigen, wo die zweite Periode ihre Mauer ansetzte, 
wie das in der Tat an den Trennungsstellen der nördlichen und 
südlichen Querschiffwand der Fall ist. Eine solche Trennungslinie 
im Chor konnte ich aber nicht finden. 



1 Abb. bei Mauch, Abhandlung Uber mittelalterliche Baudenk- 
male in Württemberg, Tafel 4. 



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II. Periode. Grundmauern von Chor und Querhaus. 
Ueber Wölbung des nördlichen Flügels. 

Mit der zweiten Bauperiode tritt ein bestimmtes Merkmal 
auf, die Form der attischen Basis I. Sie hat nichts Aussergewöhn- 
liches an sich, gibt aber ein untrügliches Leitmotiv ab, die Bau- 
teile dieses Meisters herauszufinden. Ich darf wohl von „Meister" 
sprechen, ohne die Frage im geringsten zu entscheiden, ob es 
ein baukundiger Klosterbruder oder ein Laienarchitekt war; 1 seine 
Unbehilflichkeit ist in jeder Hinsicht so gross, dass man ihm viel 
Uebung nicht zutrauen kann. Bedeutsam ist aber das Hervor- 
treten eines kleinen persönlichen Moments, wie es die Durch- 
führung eines bestimmten Basenprofils darbietet. 

Die Basis 1 (Fig. 2) findet sich in den Nordkapellen an den 
Vierungspfeilern in ihrem ersten Zustaude und als Sockel aussen 
am Chor, soweit hier nicht die Verstrebungen der dritten Periode 
sie überdecken. Ausserdem weist die gleiche Bildung und Grösse 
der Vorlagen für die Gurtbögen in den nördlichen Kapellen und 
der Westwand beider Kreuzflügel auf die Entstehung des Quer- 
hauses in dieser Zeit. Der Meister führte also die Grundmauern 
des Chores und der Querschiffe auf, soweit die letzteren nicht in 
den Kapellenwänden bestehen, und wölbte den Nordflügel. 

Es scheint, als ob man den Chor ursprünglich genau qua- 
dratisch beabsichtigt habe; nimmt man die lichte Entfernung 
zwischen den Kapellenmauern der ersten Periode, wie ich sie an- 
genommen habe, so ergeben sich für den Chorraum fast ganz 
gleiche Seiten. Indes fand man jetzt für nötig, die Mauerstärke 
auf das Doppelte zu erhöhen, und dies verengte seine Breite, da 
die Länge gleich der lichten Entfernung zwischen den Kapellen 
beibehalten wurde. Ausserhalb der östlichen Kapellenlinie führte 
dann der Meister II die verstärkte Chorwand ringsherum und 
versah sie mit seinem Basenprofil als Sockel; in den Ecken sind 
die durchgehenden Ansatzfugen zu erkennen, die sein Werk von 

1 Lieber die Frage des «Laienmeisters* zitiere ich aus der reichen 
Literatur: Alwin Schulz, bei Dohme, Kunst und Künstler Deutsch- 
lands, I, S. 45 ff. 3i ff. Dohme, Die Kirchen des Zisterzienserordens 
S. 33 ff. Schnaase, Geschichte der bildenden Künste, IV, S. 326ff, V, 
S. 20 ff. Am eingehendsten und, wie mir scheint, zutreffendsten A. 
Springer in den Mitteilungen der K. K.ZentralkommissionVII, S. 1 ff, 36ff. 



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- 7 - 



dem der ersten Periode trennen, innen verläuft seine Wand na- 
türlich bündig. An den Chorecken liess er die Mauer lisenenartig 
ein wenig vorspringen. Am Kopfende nach der Vierung zu legte 
er breite Vorlagen an, welche die zwei Gurtbögen nach den 
gegenüberliegenden Vierungspfeilern und den Triumphbogen auf- 
nehmen sollten. Erst in der dritten Periode kamen die Einlagen 
in den vier Ecken des Chors für die Gewölbträger dazu, welche 
eine ganz andere Basis haben. 

Den Kopfenden der Chorwand vorgelagert und ihrer Breite 
entsprechend wurden die westlichen Vierungspfeiler errichtet. Sie 
bestehen aus einem quadratischen Kern mit drei Vorlagen. In 
den Ecken nach den Nebenschiffen sitzen Säulen, dagegen sind 
die dem Hauptschiff zugekehrten Seiten gänzlich flach; dies im 
Verein mit dem Mangel an Gewölbträgern in den Ecken des 
Chores lässt darauf schliessen, dass man in der zweiten Periode 
noch keine Wölbung für Chor und Hauptschiff beabsichtigt habe. 

Der zweite Meister ist es, der die Kapellen in so anormaler 
Weise in den Ouerschiffraun» eingezogen und ihre gesonderte 
Bedachung verworfen hat; der dem Querschiff nur die Breite 
eines Ganges und notwendigerweise auch nur die Höhe der Ka- 
pellen gegeben hat. Ueber Quergang und Kapellen ergaben sich 
mithin überschüssige Räume, die für ausserkirchliche Zwecke ge- 
braucht wurden; 1 zu dem südlichen führt die Wendeltreppe im 
QuerschifT, der nördliche ist vom Dorment aus zugänglich. Der 
Querhausbau, wie er sich von aussen dem Auge darbietet, ent- 
spricht nicht der tatsächlichen Verteilung der Räume. Denn von 
einem wirklichen Querschiff kann man jetzt nicht mehr sprechen, 
es ist vielmehr ein schmaler niedriger Gang, der den Zugang zu 
den Ostkapellen vermittelt. 

Einen inneren Grund für diese Abweichung vom gewöhn- 
lichen Bau, die sonst in der ganzen Architekturgeschichte nicht 
vorkommt, weiss ich nicht anzugeben. Dass man sich mit vollem 

_i , _ 

1 Etwas annähernd Aehnliches kommt in Eberbach vor, wo sich 
über den Kapellen Oberräume für anderweitige Benutzung finden. 
— Die singulare Behandlung der Kreuzarme ist in der Literatur viel 
besprochen worden, man hat sogar vermutet, dass ursprünglich kein 
Querschiff bestand. Lösen konnte das RStsel niemand. Otte, Baukunst, 
S. 293. LUbke, eine Fahrt durch Süddeutschland, im Deutschen Kunst- 
blatt VI, i855, S. 433. Dohme, Zisterzienserkirchen, S. 6b. 



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Bewusstsein der baulichen Konsequenzen um die Wirkung hoher 
Kreuzarme gebracht haben sollte, ist schwer einzusehen. Eher 
könnte einer Verrechnung im Grundrisse die Schuld beizumessen 
sein. Die Kapellen waren begonnen, gleichzeitig vielleicht auch 
das Langhaus abgesteckt und seine Länge auf fünf Mittelschiffs- 
quadrate bemessen. Nun langte aber der Raum zwischen dem 
letzten Langhauspfeiler und dem Choranfang nicht mehr für ein 
volles Querschiff, das zur Hälfte schon von den Kapellen einge- 
nommen war, und man begnügte sich in allzustrenger zister- 
ziensischer Enthaltsamkeit mit dem schmalen Verbindungsgang. 

Der zweite Meister benutzte die geringe Ausdehnung dieses 
Ganges dazu, das Querhaus mit quadratischen Gewölben gleich 
den Kapellen zu überwölben; doch ist nur der Nordflügel von 
ihm. Die Kreuzgewölbe haben zwar rechteckig geschnittene Rippen, 
sind aber im übrigen bei leichtem Stich von primitiver, plumper 
Bildung; die Bögen rund, mit Ausnahme des Gurtbogens der 
nördlichsten Kapelle, dessen leicht spitzbogige Form wohl nichts 
weiter als eine Unregelmässigkeit bedeutet und jedenfalls von 
keiner prinzipiellen Wichtigkeit ist, wie die Spitzbogen des dritten 
Meisters. 

Als Gewölbträger dienen in den Ostecken der Kapellen stark 
verjüngte Säulen mit einer Art verzierter Würfelkapitelle, die 
einen hohen vorkragenden Kämpfer tragen, welcher ebenfalls 
verziert ist; im übrigen in wenig harmonischer, ja roher Form 
die Mauervorlagen. 

Die Unsicherheit und geringe Fertigkeit in der Bauausführung 
bis zu diesem Stadium lässt eine feste, kundige Leitung vermissen. 
Wie konnte einem seiner Mittel bewussten Architekten ein solcher 
Fehler wie das enge, dunkle Querhaus unterlaufen! Ueberall 
bleibt man am Nächsten haften, es fehlt der freie Zug und die 
Grösse der Konzeption ; es ist, als ob man nicht wagte, sich 
vom Erdboden zu erheben, und dumpfen Sinnes in den trüben, 
freudlosen Büsserzellen mit kahlen Wänden hängen blieb. Einen 
solchen Grad herber Askese, wie er in den Kreuzflügeln von 
Maulbronn sich ausspricht, lernt man selbst in anderen Zister- 
zienserklöstern nicht kennen. Das hindert nicht, dass in diesen 
Räumen ein sehr malerischer Ton herrscht, dem die von Feuch- 
tigkeit grün angelaufenen Mauern wesentlich zugute kommen. 



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III. Periode Vollendung der Ostteile. 

In der Wölbung des Südkreuzschiffs erscheint mit einem 
Male eine neue Konstruktions- und Formenweise, deren grösstes 
Resultat sich in der Chorwölbung offenbart. Was zu dieser Art 
gehört, ist von solcher Wichtigkeit und zeigt eine verhältnismässig 
so individuelle Note, dass ich der Bequemlichkeit wegen bei der 
bisher üblichen Benennung des Meisters „Hermann" bleiben will, 
um die. bestimmten architektonischen Eigenarten dieser Schöpfung 
unter einen Namen zu fassen. Der angebliche Meistername, nach 
dem man den Erbauer der Kirche Hermann genannt hat, findet 
sich einmal an der südöstlichen Strebe des Chores aussen; 1 ein 
zweites Mal an dem Eingangsbogen zum Südkreuzschiff. Doch 
ist seine Schreibweise hier eine von jener total verschiedene 
(Fig. 8), so verschieden, dass ich überhaupt Bedenken trage, 
etwas anderes in den Zeichen zu sehen, als einen sog. Sammel- 
stein mit einer Reihe von Steinmetzzeichen, wie er auch am 
Maulbronner Refektorium und sonst einige Male in Schwaben 
vorkommt. - Das — unbezweifelte — Steinmetzzeichen hinter 



1 Abgebildet bei Paulus, Maulbronn, S. 18. 

2 Klemm, Württemberg. Baumeister und Bildhauer. S. 27, 38. 
Paulus, Maulbronn, S. 43, Rziha, Studien Uber Steinmetzzeichen, S. 35. 
Man muss sich wundern, welche Bedeutung den Steinmetzzeichen 
besonders in der schwabischen Kunstliteratur beigelegt wird, und mit 
welchem Fleisse sie gesammelt werden, da doch offenbar dabei noch 
gar nichts herausgekommen ist und auch, nichts herauskommen kann. 
Abgesehen von uer spätgotischen Zeit, wo wirkliche Meisterzeichen 
vorkommen, bedeuten sie nichts als Marken des einfachen Steinmetzen, 
der nichts zu tun hat, als nach vorgezeichneten Massen und Schab- 
lonen zu arbeiten (siehe darüber Hasaks Aufsatz «Haben Steinmetzen 
unsere mittelalterlichen Dome gebaut«, in der Zeitschrift für Bau- 
wesen i8q5, S. i83ff, 363 ff.). Ich habe nicht ein einziges Mal ein 
Zeichen des 12. oder i3. Jahrhunderts an einem kunstvollen Werk, 
etwa einem Kapitell, entdecken können, sondern alle waren auf ein- 
fachen Quadern oder höchstens Profilierungen zu finden (ebenso 
Bickell, Kunstdenkmale des Kreises Gelnhausen, S. 28). Die ungeheure 
Mühe, deren sich vor allen Rziha in seinen aStudien Uber Steinmetz- 
zeichen» unterzogen hat, um die Zeichen zu ordnen und unter den 
Gesichtspunkt der Bauhüttenorganisation zu bringen, hat allenfalls für 
das i5. Jahrhundert einige Resultate zutage gefördert. Vollends 
falsch aber wird seine Theorie der Schlüssel, wenn er sie auf roma- 
nische und frühgotische Zeichen anwendet; von Maulbronn sind kaum 
ein oder zwei auf seinen Tafeln richtig gezeichnet, und ich setze ein 
besonders autfallendes und — in Kreuzgang und Laienrefektorium — 
häufig vorkommendes Beispiel nach eigenem Papierabdruck her, um 



— lo- 
dern „Namen" ist beide Male verschieden. Auch wäre die stolze 
Meisterinschrift an so sichtbarer .Stelle des Chores für das zwölfte 
Jahrhundert unerhört. 1 Trotz dieser Bedenken und mit dem Hin- 
weis auf sie, möchte ich doch den handlichen Namen beibehalten, 
weil er bestimmtere Vorstellungen zu wecken fähig ist. 

Die Bautätigkeit Hermanns in Maulbronn fällt im wesent- 
lichen in die sechziger Jahre, da er 1171 oder wenig später, wie 
unten S. 33 ff. ausgeführt werden wird, nach Worms an den 
Dombau berufen wurde. Klunzinger * spricht davon, dass 1157 
der Bau schon „bis zur Vollendung des Hochaltars gediehen" 
war; wenn dies eine quellenmässige Berechtigung hat, so kann 
es nach den dargelegten Untersuchungen nur heissen, dass die 
Grundmauern des Chores 1157 standen und für die Tätigkeit 
Hermanns diese Zahl das Anfangsdatum liefert, oder aber, dass 
ein provisorischer Chor gebaut war und die Ostkapellen danach 
zu datieren wären. Andernfalls müsste, wenn die Ostteile schon 
1157 vollendet sein sollten — was auch nach dem Stande der 
Wölbekunst zu jener Zeit sehr auffallend wäre — der Bau des 
Langhauses 21 Jahre gedauert haben. Das anzunehmen, liegt 
aber bei der gleichmässigen und ununterbrochenen Bauart des 
Langhauses nicht der mindeste Grund vor ; auch würde sich der 

zu zeigen, wie willkürlich Rüha verßhrt, um die Zeichen in seine 
Mutterfiguren einzuordnen, sie mögen gehen oder nicht (Fig. 11). 
Seine ganze Theorie geht auf die spStgotischen Bauhütten und ihre 
Geheimniskramerei zurück. Damals bestanden in Wahrheit die Hutten- 
ordnungen und "gerechten SteinmetzgrUnde», durch welche sich die 
tüchtigen Wandertruppen von den ansässigen Zünften unterschieden. 
Aber was berechtigt dazu, solche Ordnungen auch für die früheren 
Perioden anzunehmen ? und den romanischen Steinmetzen zu sub- 
stituieren, sie hätten dieselben komplizierten Huttenverhältnisse ge- 
habt wie die Spätgotiker — wenn die Zeichen durchaus nicht zu den 
■Mutterfiguren passen und eben nur die Handmarken des simpelsten 
Arbeiters sind ! Das heisst doch in Wahrheit die ungeheure Kluft 
zweier Kulturen missachten ! Nach dem Gesetz der Entwicklung ist's 
vom romanischen Stil bis zum spätgotischen ein ebenso weiter Schritt 
wie vom Architekten des Uebergangsstils, der seine Skulpturen zum 
Teil selbst besorgte, zu den überkünstlichen Handwerksgebräuchen 
der Strassburger Hüttenordnung ! 

1 Allerdings möchte in ihm kaum ein Klosterangehöriger zu er- 
kennen sein. Was Springer gelegentlich Tutilos (in den Mitteilungen 
der Zentralkommission, a. a. O., S. 43 u. f.) bemerkt, passt vortrefflich 
zu der Erscheinung der Meister Hermann und Bohnensack, die wohl 
keine Mönche von Maulbronn gewesen sind. 

2 Urkundliche Geschichte S. 36. 



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— 11 — 

plötzliche Verzicht auf die Ueberwölbung auf diese Weise schwer 
erklären lassen. 

Die attische Basis des Meisters (II) (Fig. 3), grösser und 
wuchtiger als I und mit einem schpn ganz fliessend weichen Eck- 
blatte, bildet an allen Orten das Leitmotiv, wo sein Werk von 
dem der zweiten und vierten Periode zu sondern ist. Dazu kommt 
noch das von ihm komponierte Kämpferprofil (Fig. 5), das von 
unten der Reihe nach aus Wulst, Leisten, Wellenstab und Schluss- 
platte besteht (a); wozu bei Hermann regelmässig — mit Aus- 
nahme der Säulen in den Südkapellen — das wuchtige untere 
Glied des von Stab und Platte eingefassten grossen Polsters (b) 
kommt. Das gesamte Glied ist zu künstlich und kompliziert, um 
eine gute Wirkung hervorzubringen; aber es ist vielleicht das 
erste Mal in diesen Gegenden, dass ein so reiches Kämpferprofil 
auftritt, und schon dieses neuen Geistes wegen, im Gegensatz zu 
den schlichten romanischen Profilen, ist es bedeutsam und hat 
Schule gemacht. 1 

Mit Hilfe der zwei genannten Merkmale sollen zunächst die 
Ansatzstellen des neuen Werkes untersucht werden, um seinen 
Umfang gegen die früheren Perioden- abzugrenzen. Da zeigt es 
sich durchgehends, dass der zweite Meister noch nicht weit mit 
dem Hochbau gekommen war, als der neue einsetzte. Im, nörd- 
lichen Querhaus war der Chorpfeiler links schon bis zu dem 
alten, einfach abgeschrägten Kämpfer gediehen; an dem gegen- 
überliegenden Vierungspfeiler rechts ist zwar in der Ecke noch 
die verjüngte Säule des zweiten Meisters eingelassen, jedoch um 
Einiges gekürzt, und der weitläufige Kämpfer Hermanns bereits 
dem Pfeiler aufgesetzt. Wahrscheinlich trat der neue Architekt 
hier ein und führte die begonnene Arbeit mit plötzlichem System- 
wechsel durch. Jndes wurde wenigstens das letzte Gewölbe b noch 
nach der alten Weise mit schweren Rippen ausgeführt. 

1 Im Elsass sind noch verwandte Kombinationen im ausgehenden 
12. und beginnenden i3. Jahrhundert sehr verbreitet, vielleicht nicht 
unabhängig von Maulbronn, dessen Mutterabtei Neuburg im Unter- 
elsass lag. Sehr auffallende, jedoch vielfach widerspruchsvolle Ver- 
wandtschaften weist St. Peter und Paul in Neuweiler auf; sie lassen 
vermuten, dass ein verlorener Bau eine Art Mittlerstellung zwischen 
Maulbronn und Neuweiler einnahm. Im Übrigen sind direkte Be- 
ziehungen zwischen Elsass und Schwaben nienr nachzuweisen, vgl. 
S. 88, A. 2. 



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— 12 



Im Südflügel waren nun beide Vierungspfeiler noch nicht 
bis zur Kämpferhöhe gediehen, und Hennann gab ihnen seine 
Kämpfer, legte in die Ecke des westlichen eine unverjüngte Säule 
und Hess die des östlichen Pfeilers ganz aus. Darauf wölbte er 
den schon vorhandenen Südflügel nebst den Kapellen; die Vor- 
lagen für die Gewölbe waren in der zweiten Periode errichtet, 
genau denen des Nordquerschiffs gleich. Nur die Säulen in den 
Ostecken der Kapellen und in der Südwestecke des Kreuzschiffes 
rühren von Hermann her; sie haben die Basis II, sind unverjüngt 
und tragen würfelartige Kapitelle, deren Ecken rund abgeschliffen 
sind. Ihre sphärischen Flächen sind noch mit flach gehaltenem 
Bandwerk verziert. 

Diese Kapitellform findet in Schwaben kaum Analogien, 
dort ist vielmehr schon im 12. Jahrhundert neben, dem Würfel- 
kapitell das kelchförmige, von grossen Blättern umschlossene 
Kapitell üblich. 1 Dagegen weist die Vorliebe für verschlungenes 
Band werk eher nach dem Main, wo im Gelnhauser Kaiserpalast 
und anderen Burgen vom Ende des romanischen Stils das phan- 
tastische Schling- und Rankenwerk seine klassische Ausprägung 
erhalten hat. 

Die Ecksäulen im SüdschifT dienen jedoch keinem kon- 
struktiven Zweck. Hermann setzte sie wohl in der Absicht ein, 
den Gewölben Rippen zu geben, wie der zweite Meister; doch 
ist diese Absicht nicht zur Ausführung gelangt, und sie stehen 
eigentlich zwecklos da, denn um die einfache Kante des Nat- 
gewölbes aufzunehmen, ist weder praktisch noch für den Eindruck 
eine so beträchtliche Stütze vonnöten. 

Die Gewölbe des Querschiffs und der Kapellen sind Kreuz- 
natgewölbe; aber sie bedeuten dennoch keinen Rückschritt gegen 
die des nördlichen Kreuzarmes, denn schon erreichen ihre Dia- 
gonalen den reinen Halbkreis, und die Schildbögen, selbständig 
gemauert und aus der Wand heraustretend, zeigen durchweg den 
entschiedenen Spitzbogen, so, dass die Gewölbescheitel horizontal 
liegen. Diese Konstruktion ist aber bis dahin in Deutschland un- 



1 Vergl. : Herrenaiber Paradies (Kunstdenkmale im Königreich 
Württemberg, Schwarzwaldkreis, S. 1 79 f!.;, Bebenhausen (Paulus, 
Bebenhausen, Tafel IV), Plieningen {Kunstdenkmale im Neckarkreis, 
Atlas, Tafel 85). 



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— 13 — 

bekannt. Erst in dieser Zeit kommt an einigen wenigen Kirchen 
die Halbkreisdiagonale auf, und dann bekommen die Gewölbe 
Busung, 1 hier nähert sich die Konstruktionsweise also noch be- 
deutend mehr dem französischen oder besser burgundischen 
System, und man wird an eine burgundische Schulung des Meisters 
denken müssen. 

Es versteht sich von selbst, dass Hermann bei der einmal 
fixierten Höhe der Kreuzschiffe blieb und sie nicht willkürlich er- 
höhte, der Symmetrie wegen. Seiner eigenen Empfindung war 
diese Enge und Dunkelheit des Raumes wohl kaum entsprechend* 

Den Chor fand der Meister in seinen Grundmauern bereits 
vor, jedoch nicht sehr hoch gediehen. Er fasste sogleich als das 
Wichtigste seine Wölbung ins Auge und traf dazu die vorbereitenden 
Massregeln, die für eine solche Neuerung vonnöten waren; denn 
bis dahin hatte man wohl nur an eine Flachdecke gedacht. Zu- 
nächst wurden in allen vier Ecken Einlagen mit eingelegter Säule 
zugefügt, um die Gewölberippen aufzunehmen, und die Vorlagen 
für den Triumphbogen verstärkt. Blickt man auf die Basen, so 
sind die Trennungsfugen am Zusammenstoss der beiden ungleichen 
Profile (der zweiten und dritten Periode, bei dd) sofort zu erkennen. 

Von Aussen betrachtet, erschien die Ostmauer und namentlich 
ihre Ecken zu schwach für den Druck eines schweren Gewölbes. 
Daher wurden die Ecken mit besonders kräftigen, die dazwischen 
liegende Wand mit zwei geringeren Strebepfeilern verstärkt und 
in einiger Höhe das Kämpferprofil ohne den grossen Wulst (b) 
verkröpft ringsherum aufgesetzt; da es auch auf der Zwischen- 
mauer im Osten selbst aufliegt, so folgt daraus, dass die Mauer 
in der zweiten Periode noch nicht höher gediehen war als bis in 
die Nähe dieses Gesimses — was auch durch die Quaderbehandlung 
eine Bestätigung erfährt — , und dass von diesem an alles Mauer- 
werk Hermann angehört. Von einem Eckpfeiler zum anderen 
sprengte er nun einen grossen Rundbogen, um oberhalb dieses 
die Wand in gehöriger Weise zu verstärken, in ganzer Dicke 
jedoch nicht bis unter das Dach, sondern nur soweit, als der 



1 Dehio und v. Bezold, kirchliche Baukunst, I, S. 472. MatthSi, 
Beitrage zur Baugeschichte der Zisterzienser, S. 28, zählt neben Arns- 
burg Beispiele für die früheste Verwendung des Spitzbogens in Deutsch- 
land auf, ohne Maulbronn zu nennen. 



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— 14 — 



Anfall des Gewölbes reicht — dort schrägt sich die Verstärkung 
wieder zur gewöhnlichen Mauerdicke ab. Der Gedanke des Strebe- 
pfeilers hat sich hier in eigentümlicher Weise dahin erweitert, 
dass die ganze Wand in der gefährdeten Ausdehnung verdickt 
wird. Die Anlage ist so ungewöhnlich, dass darüber seltsame 
Vermutungen aufgestellt worden sind. 1 Da aber im t5. Jahr- 
hundert das grosse Ostfenster in die Mauer gebrochen ist, kann 
man sich an der Bruchstelle davon überzeugen, dass die gauze 
Mauer einschliesslich der Verstärkung von unten auf bis oben 
aus einem Guss und mit kunstvoller Verschränkung der Ouader- 
lagen aufgeführt ist, mithin demselben Meister angehört, der die 
Eckstreben mit ihren Profilierungen hinzufügte. 

Diese mit so grossem Bewusstsein ihrer Wirkungsfähigkeit 
und solcher Umsicht ausgeführte Anlage scheint dem Satze zu 
widersprechen, „dass die Deutschen keine Vorstellung von den 
im Gewölbe wirkenden Kräften" im 12. Jahrhundert besassen 
und niemals Strebepfeiler verwendeten. 2 Denn dieser Meister 
hatte augenscheinlich die Stärke der vorhandenen Mauern geprüft 
und gefunden, dass sie für die Last des Gewölbes, das er ihnen 
auflegen wollte, nicht stark genug seien. Darum legte er an den 
gefährdeten Stellen Strebepfeiler an und füllte einen Teil der 
zwischen ihnen liegenden Fläche mit Wandverstärkung aus, doch 
so, dass die Ecken des Baues nach wie vor stärker verfestigt 
blieben. Warum er den grossen Rundbogen zwischen die Pfeiler 
spannte und die verstärkte Mauer nicht gleich von seinem Pfeiler- 
gesims an aufführte, ist kaum zu erklären, da der alte Zustand 
zwischen den Eckpfeilern durch das gotische Riesenfenster zerstört 
ist. Vielleicht glaubte er, die beiden Eckstreben würden durch 
den Bogen besonders fest miteinander verspannt; ob aber das 
Vorhandensein ehemaliger romanischer Fenster in der Ost wand 

1 Klunzinger, Aristische Beschreibung Maulbronns S. 17 setzt die 
Verstrebungen «nach den an ihnen angebrachten Steinmetzzeichen zu 
schliessen* in den Anfang des i5. Jahrhunderts. Förster, Denkmale 
deutscher Baukunst VII, s. 28 zieht den Gedanken einer «niedrigen 
Apsis» in Erwägung und meint, diese «architektonische Merkwürdig- 
keit» könnte ihrem Profil nach eher ins 17. Jahrhundert passen. Wenn 
er doch nur die Basen mit denen im Innern verglichen hätte! Lübke, 
Fahrt durch Suddeutschland, S. 433 Anm. hält die Streben für gleich- 
zeitig mit dem grossen gotischen Chorfenster. 

2 Dehio und v. Bezold I, S. 476. 



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— 15 — 



einen Grund für den Bogen abgab, ist nicht ohne weiteres nach 
Analogie der Nordvvand zu schliessen. An dieser sind nämlich 
aussen drei reich und kräftig profilierte Rundbogenfenster sichtbar, 
später vermauert, an der Südwand, die jetzt von einem grossen 
gotischen Fenster durchbrochen ist, befanden sich ohne Zweifel 
entsprechende romanische Oeffnungen ; allein an der ' Ostwand 
sind bie Bedingnisse für solche nicht die gleichen, und es lässt 
sich nicht einmal mehr vermuten, wie sie gegliedert war. 

Auch beim Südquerschiff sind Strebepfeiler an den Ecken und 
den übrigen Anfallstellen der Gewölbelinien in derselben Weise 
wie am Chor angesetzt, gewiss eine zu grosse Vorsicht den ge- 
ringen Gewölben gegenüber; darüber in ähnlicher Weise wie an 
der Chorwand kleinere Rundbogen geschlagen und diese Ver- 
Stärkungen in geringer Höhe mit einem einfachen Sims abge- 
schlossen. Die Eckverstärkungen werden auch hier hochgefuhrt, 
doch erscheinen sie für ein beabsichtigtes Gewölbe der Oberräume 
zu schwach und lediglich dekorativen Charakters, die Ecken 
stärker zu betonen ; wie im Grunde nicht anders der ganze Strebe- 
apparat am Querschiff. 

Die Raumbildung des Chores, in der Hermann nun zum 
ersten Mal volle Freiheit hatte, ist ziemlich schlank und von im- 
posanter Höhe. Die Tiefe verhält sich zur Gewölbhöhe genau 
= 1:2, die für das Auge in Betracht kommende Breite ist noch 
etwas schmäler. Das Gewölbe selbst ruht mit seinen Rippen und 
Schildbögen auf den reich profilierten, verkröpften Kämpfern der 
Eckeinlagen, deren Teile korrekt den verschiedenen Gurten ent- 
sprechen: die Pilasterflügel nehmen seine Schildbögen, die Säulen 
seine Rippen auf. Die Gewölbebildung ist noch schwer, vou 
Bruchsteinen in reichlicher Mörtelbettung und durchweg mit Rund- 
bogen (nur der östliche Schildbogen ist leicht spitz), die Busung 
stark, mit sphärischen Kappen — ganz der Typus deutsch-roma- 
nischer Gewölbe im 12. Jahrhundert; die Diagonalen im Halb- 
kreis geführt, mit schweren, breiten Rippen, deren Profil in 
Deutschland im 12. Jahrhundert kaum vorkommt, vielmehr nach 
Frankreich hinweist. Sie haben natürlich noch keinen selbstän- 
digen Schlussstein, und was man jetzt an der Kreuzungsstelle sieht, 
ist eine madonnenbemalte Holzscheibe, die das 15. Jahrhundert 
fürsorglich den kahlen Rippen zugute kommen Hess. 



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— i6 - 



Von dem eigentlichen Geheimnis der Rippen, der Konzentra- 
tion des Schubes auf die Ecken, besass der Meister noch keine 
vollkommene Erkenntnis. Er .hatte zwar die Ecken draussen 
verstärkt, aber auch die Zwischenmauer, weil er wusste, dass sein 
busiges Gewölbe auch auf diese stark drücken würde ; er ver- 
wendete zwar Rippen, aber er dachte nicht daran, auf sie die ge- 
samte Last des Gewölbes zu konzentrieren. Hätte er dies getan, 
so wären die Ecken ganz anders zu verfestigen gewesen. Denn 
die äussere Querschiffmauer schloss sich ja nicht an die Vierungs- 
pfeiler an, wie es sonst der Fall ist, sondern diese standen in der 
Höhe des Gewölbes völlig frei und ohne Stütze, nur an der Innen- 
seite durch Vorlagen an fortlaufender Mauer verstärkt, die wenig 
bedeuten wollten gegenüber dem Mangel an jeglicher Verstrebung 
an den Aussenflächen. Denn die gefährdeten Punkte lagen gerade 
in der Mitte der Querschiffsmauer ! Und so ist die Kühnheit der 
Wölbung auch jetzt noch eine grosse zu nennen. Denn das 
Rippengewölbe übt immerhin trotz seiner Busung den stärksten 
Druck auf die Ecken aus ; eine vollkommen gleichmässige Ver- 
teilung des Seitenschubes gewährleisten nur Kuppel- und Kloster- 
gewölbe. 

Wäre es Hermann vergönnt gewesen, auch das Langhaus 
einzuwölben, so würde sich die Maulbronner Kirche mit Recht 
neben die grossen rheinischen Gewölbebauten stellen können, 
denen sie an Ausdehnung und Höhe nicht viel nachgiebt. Von 
gewölbten Zisterzienserkirchen in Süddeutschland im dritten Viertel 
des 12. Jahrhunderts kommt nur Eberbach in Frage, da das 
System von Bronnbach, von allen deutschen Traditionen ab- 
weichend, die südfranzösische Herkunft allzudeutlich verrät. Chor 
und Querschiff von Eberbach war 1178 vollendet, die ganze 
Kirche 1 186 geweiht; 1 sie ist also noch ein wenig später als 
Maulbronn, und ihre rippenlosen Kreuznatgewölbe, die eine Stufe 
tiefer stehen als das Maulbronner, bestätigen den hohen Rang, 
den ich diesem unter den Gewölbebauten Süddeutschlands zuweisen 
möchte. Wirkliche Analogien bieten nur die Neuein Wölbung des 
Speyerer Doms in demselben Zeitabschnitt und die Ostteile des 
Wormser Doms. Aber eben diese schliessen sich zeitlich aufs 



1 Schaefer, Eberbach, S. 3i. 



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17 — 

engste an Maulbronn an und sind höchstwahrscheinlich, wie ich 
im zweiten Abschnitt nachzuweisen hoffe, von Meister Hermann 
selber gebaut. Es erscheint mir sehr glaubhaft,, dass Hermann 
die Absicht hatte, in demselben Systeme das Langhaus weiter zu 
bauen; wenn auch die Beweise dafür fehlen, dass er das Mittel- 
schiff überwölben wollte, so gibt es doch deren untrügliche, die 
es für die Seitenschiffe dartun. In die Ecken der westlichen 
Vierungspfeiler BB (= ersten Langhauspfeiler) setzte er Säulen 
von derselben Art, wie sie in den Südkapellen stehen, und zwar 
sieht man deutlich, dass sie den Pfeilern nachträglich eingefügt 
sind. An der Ostwand der südlichen Abseite, über dem Ein- 
gang zum Querschiff, spannt sich ein spitzer Schildbogen von der 
Säule zu einem Konsolenstein in der anderen Ecke: hier waren 
also für die Abseiten Gewölbe von derselben Art wie in den 
Kapellen vorgesehen; zur Ausführung aber sind sie nicht 
gekommen, weil Hermann den begonnenen Bau plötzlich im 
Stiche Hess. 

Was das Aeussere der Ostteile betrifft, so hat Hermann die 
gesamten Umfassungsmauern des Chors und der Querschiffe im 
wesentlichen bis zum Dachsims gefördert. Doch ist dabei noch 
ein Unterschied zu vermerken. Das Kranzgesimse besteht aus 
Rundbogenfries, der ein Karniesprofil hat, Zahnschnitt und krönen- 
dem Sims, dessen Profil eine umgekehrte attische Basis bildet. 
Dies Gesimse läuft in gleicher Gestalt in Dachhöhe um die ganze 
Kirche und steigt ausserdem noch am Chor- und Westgiebel 
schräg in die Höhe. Nun zeigt sich allein am Chor eine anders- 
artige Behandlung des Rundbogen fri eses ; während hier nämlich 
an den Eckendigungen das Karniesprofil mit einem zierlichen 
Viertelsbogen abbiegt und verläuft, ist es von den Querschiffen 
an einfach rechtwinklig abgeschnitten. Da jenes Verlaufsmotiv 
von Eckprofilen mit Vorliebe von Hermann angewendet wird — 
ebenso am Gewände der Chorfenster wie an den Gewölberippen 
— so vermute ich, dass er sein Kranzgesims nur am Chorhaus 
hat vollenden, ja nicht einmal mehr den Giebel darauf setzen 
können, an den Kreuzschiffen aber nur bis unter die zwei letzten 
Quaderschichten kam ; denn diese sind auch von anderer Behand- 
lung. Ein so geringfügiger Umstand wäre nicht einer weitläufigen 
Erwähnung wert, wenn er nicht lehrte, wie plötzlich Hermann 

2 



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— 18 — 

sein Werk in Maulbronn verliess. An zwei Stellen, beim Beginn 
der Seitenschiffe und am Dachrand der Kreuzschiffe, sehen wir 
eine Fortsetzung seiner jäh abgebrochenen Tätigkeit in anderem 
Sinne. 

Wäre die Bauausführung in romanischer Zeit wirklich in so 
hohem Grade dem Belieben von Steinmetzen und Werkführern 
anheimgegeben, wie es mitunter behauptet wird, so wäre eine 
derartig durchlaufende Differenz verschiedener Bauabschnitte unter- 
einander schlechterdings unerklärlich. Jede der vier Perioden an 
der Maulbronner Kirche zeigt eine andere Art, die Mauer zu be- 
handeln und die Steinoberfläche zu bearbeiten. In der ersten ist 
sie am unvollkommensten. Notdürftig mit der Spitzhacke zu- 
gehauene, kleine Steine zeigen die Hast und Unerfahrenheit im 
Bauen. In der zweiten bleiben die Quadern noch klein und wer- 
den in der Mauer kaum sorgfältiger behandelt als in der ersten 
Periode ; allein jetzt werden die Gewölbevorlagen und Mauer- 
zungen in grossen und sorgfältig geglätteten Steinen aufgeführt, 
zumeist mit Randbeschlag und in zickzackstreifiger Musterung. 
Meister Hermann macht dann einen bemerkenswerten Unterschied 
zwischen Chor und Kreuzschiffen. Der Chor wird in grossem, 
fein geglättetem Quaderverband durchweg aufgeführt; und zwar 
sind es Vollmauern, wie an den gotischen Fensterdurchbrüchen 
zu erkennen ist. Uebrigens sind wohl bei der grossen Nähe vor- 
züglicher Sandsteinbrüche sämtliche Bauten mit Vollmauern auf- 
geführt; wo man das gute Material so bequem zur Hand hatte, 
wie in Maulbronn, sparte man es auch nicht im Mittelalter, wo 
Handarbeit so viel billiger war als heute. — An den Querschiffen 
dagegen ist das Material verhältnismässig vernachlässigt, gute 
Grossquaderschichten wechseln mit kleinen, roher behauenen Par- 
tien ab und nur die Verstärkungen am Südarm sind geglättet, 
derart, dass Steine, die etwa bündig in die gewöhnliche Mauer- 
flucht übergreifen, in diesem Teil nur behackt sind! Auf diese 
Weise wird der vornehmere und dekorative Charakter des Strebe- 
werks noch mehr betont, das wie ein Gitter, analog Gewölbeträgern 
und Rippen im Innern, die gewöhnliche Wand zusammenhält und 
umrahmt. 

Ich kann nicht sagen, wie weit diese Tendenz, das Chor- 
haupt auch äusserlich als den wichtigsten Teil des Gotteshauses 



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durch sorgfältigere Behandlung hervorzuheben, auf süddeutsche 
Bausitte zurückgeht. Eine analoge Absicht wäre nämlich in dem 
Errichten eines Ostturmes über dem Chorhaupt zu sehen, das in 
Schwaben bis in die gotische Zeit hinein beliebt war. Doch ist 
das Bestreben, den Chor als edelsten Teil der Kirche zu kenn- 
zeichnen, zu naheliegend und allgemein verwendet, um bei dem 
Fehlen sonstiger Anknüpfungspunkte darin Einfluss von Schwaben 
zu sehen. In Bronnbach z. B. ist die runde Apsis in ganz ent- 
sprechender Weise ausgezeichnet. 

Um die Technik des Langhausmeisters 'gleich hinzuzufügen, 
so ist zu bemerken, dass von ihm der prächtige Grossverband 
durchweg am A e u s s e r n der Kirche angewendet wird, durch 
den das Langhaus einen so überaus würdigen, kraftvollen Ein- 
druck macht. Schon an den Kreuzarmen sind die obersten Schichten 
in dieser Weise gehalten und durch solche Abweichung von 
Hermanns Art deutlich als sein Werk charakterisiert. Im Innern 
hingegen und an allen dem Auge verborgenen Flächen, wie z. B. 
unter den Seitenschiffsdächern, finden sich für die Sargmauern 
nur behackte, geringere Steine. 1 Da man bei der Erneuerung 
der Seitenschiffsdächer im 19« Jahrhundert diese etwas tiefer an- 
legte, erscheint zwischen ihrer Oberkante und dem alten Kafsims, 
das in Höhe des Unterrandes der Mittelschiffsfenster hinläuft, der 
rohere Klein verband recht disharmonisch und nötigt zu der Frage, 
weshalb diese unnütze Anstössigkeit durchaus angeordnet werden 
musste. Der Restaurator fand sie jedoch notwendig und sah sich 
deshalb auch noch genötigt, das schöne alte Kranzgesims der 
Seitenschiffsmauern an den Stellen der Balkenauflager zu zer- 
stören. Dieser Vandalismus ist allerdings von geringerer Schwere, 
da mit dem Hinzufügen der gotischen Kapellen resp. des Kreuz- 
gangs die Simse der Seitenschiffe ohnehin schon verdeckt waren. 

Ein Geschmackswechsel in der Quaderbehandlung wie der 
besprochene hat seinen Ursprung kaum im Belieben von Stein- 
metzen. Die Arbeiter blieben, die Architekten wechselten: wie 
sollten auch Steinmetzen darauf kommen, ihre Arbeit anders aus- 
zuführen als genau nach Angaben des Bauleiters, der doch allein 

1 Ganz dasselbe Prinzip sah ich am Mauerwerk der Zisterzienser- 
ruine Arnsburg angewendet. 



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— 20 — 

das Recht haben muss, das Material zu bestimmen, mit dein er 
baut! In Maulbronn ergibt sich eine von Periode zu Periode 
wachsende Vorliebe für schönes, regelmässiges Quaderwerk. Man 
ward sich während des Baues immer mehr bewusst, wieviel ein 
solches zum stattlichen Aussehen der Kirche beitrage, und so 
wiederholte sich hier im Einzelfall die Entwicklung des romanischen 
Geschmacks überhaupt. Der Verband des Maulbronner Langhauses 
gehört zu den edelsten Leistungen dieser Art in Deutschland, an 
monumentaler Wirkung kaum von Kirchen des Uebergangstils, 
wie Ebrach, übertroffen. — 

Fragt man nach der künstlerischen Abstammung Meister 
Hermanns, so geben die so früh in Deutschland auftretenden 
Kreuzgewölbe mit Anwendung des Spitzbogens und das Strebe- 
system zu ihrem Schutze einen unzweifelhaften Wink über ihre 
Herkunft aus Frankreich. Das Mutterland aller Zisterzienser- 
klöster war Burgund ; und hier nahm, wenigstens unter den er- 
haltenen Zisterzienserkirchen, der Bau von Pontigny die führende 
Stellung ein, wie im Norden Frankreichs die Kathedrale von 
St. Denis. 1 Pontigny, um das Jahr 1150 begonnen (nach Dehio 
und v. Bezold), wendet zum ersten Male in Burgund Diagonalrippen 
an und führt überhaupt das volle gotische Konstruktionssystem 
mit seinem Strebeapparat ein, unabhängig von der nordfranzösischen 
Frühgotik; hier findet sich die durchgehende Anwendung der 
Spitzbogenform, auch hier werden die kleineren Gewölbe (der 
Seitenschiffe) rippenlos gebildet, und die Gurte mit rechtwinkliger 
Abtreppung, wie das Hermann in Maulbronn, einführt. Auch in 
Pontigny war der Chor in seiner ersten Gestalt gerade geschlossen. 
Vor allem aber ist das Verhältnis von Höhe zur Breite im Maul- 
bronner Chor genau dasselbe wie im Langhaus von Pontigny; 
und wie hier ist der Querschnitt des Langhauses — dessen Ab- 
seitenbreite ja schon Hermann festgesetzt hatte — wenn man 
die Höhe des Chorgewölbes für das Langhaus bleiben lässt, nicht 
genau aus dem gleichseitigen Dreieck konstruiert, dessen Spitze 
etwas unterhalb der Gewölbhöhe zu liegen kommt. Ich gestehe, 
dass die angeführten Vergleichspunkte nicht ganz ausreichen, um 
eine absolute Abhängigkeit der Maulbronner Ostpartien von Pon- 



1 Dehio und v. Bezold I, S. 53o. 



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— 21 — 

• 

tigny mit Sicherheit zu behaupten ; vor allem fehlt ja in Maulbronn 
viel an einer wirklich gotischen Konstruktion, und da der Meister 
leider nicht das Langhaus begonnen hat, so mangelt es auch an 
jedem Anhalt, wie er sich etwa das System gedacht hätte. Wenn 
man aber den grossen Einfluss erwägt, den Burgund auf die 
Zisterzienserarchitektur überhaupt ausgeübt hat, 1 und bedenkt, 
dass zu der Zeit, da Hermann mutmasslich zu bauen begann, 
also in den sechziger Jahren, Pontigny eben erbaut und mithin 
wohl die einflussreichste Zisterzienserkirche war, 2 so wird die 
Wahrscheinlichkeit sehr gross, dass er die burgundische Kirche 
gekannt und die grossen Errungenschaften der Wölbekunst von 
dort nach Deutschland übermittelt habe. Mit nordfranzösischer 
Frühgotik hat seine Architektur nichts zu schaffen; und eine 
dritte Quelle wäre dafür kaum zu entdecken. Neuerungen von 
so einschneidender Wichtigkeit und so sichtlicher Verwandtschaft 
mit der Frühgotik Burgunds werden schwerlich in dem eben ent- 
standenen südfränkischen Kloster gefunden worden sein; ihre 
burgundische Abstammung ist zu naheliegend, um übersehen 
werden zu können. 

In solcher neuen Beleuchtung erscheint Maulbronn nun von 
viel grösserer Bedeutung, als man ihm bisher zugestehen wollte. 
Durch Hermann ist es zum Uebermittler der " burgundischen Ru- 
dimentärgotik für Süddeutschland geworden. Nur dem Umstand, 
dass das Langhaus nicht von dem Erbauer des Chores ausge- 
führt wurde, und dass der Chor bis jetzt keiner eindringenderen 
Untersuchung unterzogen wurde, ist es zuzuschreiben, dass die 
baugeschichtliche Bedeutung Maulbronns noch nicht erkannt 
worden ist. 

I V. P e r i o d e. Langhaus. 

Um 1171 war der Meister Hermann nach Worms berufen 
worden, 5 und mit ihm ging, wie es scheint, Lust und Fähigkeit 



1 Hiervon im 2. Teil von Matthäi, Beiträge zur Baugeschichte 
der Zisterzienser, S. 44fr. Vergl. auch Dehio, Zwei Zisterzienserkirchen, 
im Jahrb. der K. preuss. Kunstsammlungen XII, 1891, S. 91 ff. 

2 Wenn nicht etwa das zerstörte Citeaux I, oder Clairvaux die 
•wahren «Schöpfungsbauten» gewesen sind. 

» Siehe. S. 33. 



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— 22 — 



verloren, die begonnene Wölbung der Kirche fortzusetzen. Von 
nun an wurden alle Schiffe flach gedeckt. Es herrscht überhaupt 
im Langhause ein ganz anderer Geist, der weit mehr unter lo- 
kalen altschwäbischen Einflüssen steht, als es bis jetzt der Fall 
war ; die Erinnerung an die Zisterzienserheimat Burgund verblasst, 
und stärker als alle anderen Strömungen macht sich der Geist 
des Bodens bemerklich, auf dem nun die fremde Pflanzung festere 
Wurzel schlägt, Wurzeln im Erdreich der Hirsauer Schule. 

Von dem Meister des Langhauses ist nicht einmal die Spur 
eines Namens erhalten. Aber deutlich redet seine Formensprache, 
die im ganzen Langhause und an der Fassade dieselbe bleibt. 
Nun, da man nicht mehr an Wölbung und deren Bedingungen 
zu denken hatte, ging der Bau offenbar schneller vorwärts und 
wurde in etwa 8 Jahren vollendet; am 14. Mai 1178 wurde die 
Kirche von Arnold, Erzbischof von Trier, geweiht. 

Die Säulen- und Pfeilerbasis in dieser Periode (III, Fig. 4) ist 
in geringen Punkten abweichend von der Hermanns; namentlich ist 
sie ein wenig steiler. Das vielgegliederte Kämpferprofil Hermanns 
behielt der. Meister ebenso bei, wie sein Kranzgesims mit Bogenfries 
und deutschem Band. An Formen ist er überhaupt nicht reich. Die 
Kapitelle seiner Halbsäulen bildet er alle gleich in Würfelform, 
mit klar hervorgehobenem und eingefasstem Schild, darauf sich 
bisweilen ein kleines, sauberes Ornament zeigt ; am Portal wendet 
er überhaupt keine Kapitelle an. In solcher Dürftigkeit des orna- 
mentalen Details offenbart sich am klarsten die strenge, aufs 
nüchtern Praktische gerichtete Sinnesart der Zisterzienser. Man 
braucht sich nur unter den gleichzeitigen und späteren Bauten Süd- 
deutschlands mit ihrer Ueberfülle von phantasiereicher Dekoration 
umzusehen, um den Abstand zwischen ihnen und der Zisterzienser- 
kirche Maulbronn zu erfassen. Dafür ist aber hier das Wenige, 
was über die blosse Quaderfläche hinausgeht, mit grösster Fein- 
heit und Klarheit ausgearbeitet; und von demselben Geschmack 
an sauberer Durchbildung zeugen ja auch die geschliffenen, regel- 
mässigen Quaderschichten an der Aussenansicht. 

Das Mittelschiff ist fünf Quadrate lang, aber diese bestimmen 
nicht die Einteilung direkt ; vielmehr sind die zehn Arkadenpfeiler 
einander völlig gleich gebildet mit Ausnahme des östlichsten, wel- 
cher noch aus der zweiten Periode stammt und gleichzeitig Vie- 



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- 23 - 

rungspfeiler ist, soweit man überhaupt von einer Vierung sprechen 
kann. Denn da der Eingang zu den Querschiffen noch niedriger 
ist als die Langhausarkaden und die Sargmauer bis zum Chor 
durchläuft, so existiert in Wahrheit für den Eindruck der Kirche 
kein Querhaus und keine Vierung, und die Holzdecke reichte, 
bevor die gotische Eipwölbung sie ersetzte, ohne Unterbrechung 
bis an den Triumphbogen. 

Die Abseiten sind breiter angelegt als die sich ihnen an- 
schliessende Travee des Kreuzschiffes ; die Aenderung geht aber 
schon auf Hermann zurück. 1 Sie sind auch etwas breiter als das 
halbe Mittelschiff ; die Regelmässigkeit der gesamten Klosteranlage 
geht also nicht bis in jedes Detail. Die Pfeiler bestehen aus ein- 
fach rechteckigem Kern mit Halbsäulenvorlagen für die Abtreppung 
der Arkadenbögen; Basen wie Kämpferprofil (dies wieder ohne 
den schweren Wulstteil) ziehen sich verkröpft um das Ganze 
herum. Die achteckigen Vorlagen in den Seitenschiffen, welche 
die gotischen Gewölbe tragen, sind mit diesen gleichzeitig im Jahre 
1424 angefügt, im ganzen aber merkwürdigerweise der romanischen 
Pfeilerbehandlung angepasst ; nur dass man an den sehr souverän, 
oft in Tiergestalt behandelten Eckrull ungen der Basen sofort die 
Reife des 15« Jahrhunderts erkennt. 2 

Das' stärkste Motiv in der Gliederung des Langhauses bildet 
das über den Arkaden fortlaufende Gesimse, dessen von den 
Pfeilern aufsteigende vertikale Verzweigungen dieses Leistenwerk 
zu einem fortlaufenden Rahmen der Arkadenbögen gestalten 
(Fig. 14, 6). Da bei dem Mangel eines Gewölbes jede Gliederung 
der Wand oberhalb der Pfeiler durch Vorlagen oder Dienste aus- 
geschlossen ist, so strömt von der hochstrebenden Kraft der Pfeiler 
ein geringer Teil des Ueberschusses wenigstens in dieser dekora- 
tiven Form aus und verbreitet sich in schicklicher Höhe zu einem 
gemessenen, gleichförmigen Abschluss. Diese rechtwinklige Um- 
rahmung verstärkt den gleichmässigen Rhythmus der Rundbögen 
und erfüllt ihn mit ungemeinem Leben ; zugleich wird die gesamte 
Tragekraft von Pfeilern und Bögen ausdrücklich in ein breit und 

1 S. 17. 

2 Siehe Paulus, Maulbronn S. 68. Solche Anpassungstendenzen 
kommen auch sonst vereinzelt in der gotischen Architektur vor. Vergl. 
Schafer, Eberbach, S. 79. 



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stark hingelagertes Horizontalglied zusammengefasst. Aber nun 
folgt auch mit Notwendigkeit darauf der Rückschlag : je organischer 
das Erdgeschoss wirkt, umso toter und leerer lastet die hohe, 
ungegliederte Sargwand darüber ; diese Wand, deren massive 
Fläche nichts zu tragen hat als die hölzerne Flachdecke, und die 
nur in ihrem obersten Teile von wenigen, picht grossen und zu- 
dem nicht ganz regelmässig verteilten Rundbogenfenstern durch- 
brochen wird. Von den jetzigen gotischen Gewölben muss man 
vollends absehen, um zu einem erträglichen Eindruck zu kommen. 
Denn dieses in grosser Höhe unvermittelt auf Konsolen ansetzende, 
spielerisch behandelnde Gewölbe passt mit seinen unruhigen Linien 
so wenig zu den wuchtigen Formen der romanischen Zeit, dass 
wenige Kirchen von romanisch-gotischer Zusammensetzung ein 
so unbefriedigendes Raumgefühl erregen wie die Maulbronner. 
Die Querschnittsverhältnisse sind nur für ein flach gedecktes Schiff 
berechnet gewesen ; dieses künstlich und sehr unorganisch da- 
zwischen gespannte Gewölbe wirft alle räumliche Balance über 
den Haufen und macht den Mangel an Wandgliederung zu einem 
wenig erfreulichen Uebelstande. 1 

Eine selbständige Erfindung ist das Arkadengesims in Maul- 
bronn freilich nicht; man hat es der Hirsauischen Bauschule ent- 
lehnt, wie alle anderen charakteristisch schwäbischen Motive. In 
Schwaben kommt es wohl nur in Hirsau selbst vor; zahlreich 
sind die Fälle hingegen in der sächsisch-hirsauischen Bauschule 
des 12. Jahrhunderts: Hildesheim-St. Godehard, Paulinzella, Hamers- 
leben, Sekkau, diese alle noch Säulenbasiliken; Breitenau in 
Hessen ; von thüringischen Pfeilerbasiliken hat es die Erfurter 
Predigerkirche, die (1103—47 gebaut) auch in den vorgelegten 
Halbsäulen und den abgetreppten Arkadenbögen an Maulbronn 
erinnert. Allerdings hat die Mehrzahl der genannten Kirchen das 
System des Säulen wechseis, und bei den erheblich schlankeren 
Verhältnissen ihrer Arkaden erregt das Gesims einen weniger 
lastenden Eindruck, umschreibt das Fortwirken der hohen Säulen 
nach oben hin viel deutlicher als in Maulbronn. Sehr klar wird 
dies bei direkter Vergleichung wie bei Dehio und v. Bezold, Tafel 59. 



1 So weit ich sehen kann, ist in der Literatur Dohme der Ein- 
zige, der diesen Mangel rügt (Zisterzienserkirchen S. 67). 



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- 25 — 

Wie der Langhausmeister auch im Geringsten nicht wirklich 
formschöpferisch auftritt, so hat selbst das runde, abbiegende Ver- 
laufmotiv an den Profilendigungen des Simses seine Vorläufer in 
der dritten Periode; es ist übrigens eine im 12. und 13. Jahr- 
hundert in ganz Deutschland überaus beliebte Zierform. 

Die Holzdecke des Langhauses liegt ein wenig tiefer als die 
Scheitelhöhe des Chorgewölbes. 1 Massgebend für ihre Höhe 
scheint das Triangulatursystem gewesen zu sein ; doch erreicht 
die Spitze des gleichseitigen Dreiecks die Decke nicht ganz. Auch 
auf die sehr regelmässige Fassade, des Abbild des inneren Quer- 
schnittes, wurde bei dessen Bestimmung wohl schon Rücksicht 
genommen. — Sogar die Seitenschiffe sind noch flach gedeckt, 
obwohl diese für gewöhnlich bei der Flachdeckbasilika in dieser 
Zeit Gewölbe erhielten. 2 

Die Sitte der flachen Holzdecke erhielt sich in Schwaben 
sehr lange, bis ins dreizehnte Jahrhundert hinein. In Faurndau, 
Denkendorf, Oberstenfeld und Weinsberg, die alle aus der ersten 
Hälfte des i3. Jahrhunderts stammen, sind die drei Schiffe flach 
gedeckt. Die erste durchweg gewölbte grosse Basilika in Schwaben 
ist die Ellwanger Stiftskirche (beendet 1233). Im 12. Jahrhundert 
vollends findet man hier keine gewölbte Kirche. 8 

Von den Dächern wurden in der vierten Periode nicht bloss 
die der Langschiffe, sondern auch der Ostteile errichtet, da ja 

1 Ihre sehr einfache Ansicht bei Paulus, Maulbronn S. 3o. Einige 
Teile von ihr sind noch im nördlichen Kreuzflügel Uber den später 
eingefügten spitzbogigen Tonnengewölben des Bibliotheksaales er- 
halten. 

» Woraus Schnaase, V, S. 323, Lübke, Geschichte der Archi- 
tektur I, S. 576 und Förster, Denkmale VII, S. 25 entnehmen, dass 
die Abseiten ursprünglich Kreuzgewölbe gehabt hätten, kann ich nicht 
absehen. Die Tragsteine für die Holzdecke finden sich noch voll- 
zählig für beide Abseiten an der Sargmauer des Langhauses, jetzt 
natürlich nur im Dachraum, oberhalb der gotischen Gewölbe sichtbar. 
Ihre Entfernung voneinander entspricht genau der der Querbalken 
der Langhausdecke, die sich noch erhalten haben. Merkwürdig ist 
nur, dass die Aussenmauer der Seitenschiffe beide Male nicht ganz 
dieselbe Höhe hat, im rechten Schiff etwas niedriger, im linken etwas 
höher ist ; doch hSngt dies wahrscheinlich mit späteren Veränderungen 
der Dachanlage zusammen. 

3 In Bebenhausen war ursprünglich die Kirche flach gedeckt 
(Dohme S. 61), während Bronnbach und Eberbach schon im 12. Jahr- 
hundert die romanische Wölbung einführten. Die Abneigung gegen 
Gewölbe wurzelt im Schwäbischen sehr tief. 



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— 26 — 

Hermann deren Mauern nicht ganz beendet hatte. Wahrschein- 
lich gehört auch aus den einfacher gehaltenen Querhausgiebeln der 
Chorgiebel hierher, der dieselbe Behandlung zeigt wie der der 
Westfassade. Sie sind, der Dachneigung entsprechend, in stumpfem 
Winkel angelegt. 

Die Westfassade, vermutlich der letzte Teil der Ausführung, 1 
ist mit grösster, fast möchte ich sagen, akademischer Regel- 
mässigkeit konstruiert. Ihre Höhe ist gleich der Breite, das 
Grundmass der vertikalen Einteilung, in welcher lediglich der 
Giebel nicht ganz aufgeht, bildet die Türsturzhöhe des Mittel- 
portals. Diese klassische Proportionalität würde freilich ein wenig 
tot wirken, da der Meister es nicht verstanden hat, sie mit Aus- 
druck und Leben zu erfüllen, wenn nicht die später zugefügte 
Vorhalle ihr den so notwendigen Kontrast lebendiger Unruhe 
verliehe. Ueber das Dach des Paradieses ragt nur noch das Ober- 
geschoss empor, dem Hauptschiff entsprechend, und der beste 
Teil der Fassade : zwei Fenster in der Wand angeordnet, darüber 
der stumpfwinklige Giebel mit einem Rosettenrund; das Kranz- 
gesims mit dem Bogenfries ist sowohl horizontal in Dachrandhöhe 
als ansteigend an den Giebelschrägen verwendet. Das Vorhallen- 
dach verdeckt den mittleren Teil der Fassade vollständig, und nur 
innerhalb des Paradieses wird die Portalanlage sichtbar. Das ganze 
Untergeschoss bis zur Dachschräge der Abseiten ist von einem 
rechtwinkligen Rahmenwerk (Steg und flache Wülste) zusammen- 
gefasst und in drei Teile geteilt, in deren jedem ein Portal sitzt. 



1 Wie das in der Regel der Fall war. Die Gründe, welche Paulus, 
Maulbronn S. 21 für einen gleichzeitigen Beginn der Kirche von 
Westen und Osten her anfuhrt, können mich nicht überzeugen. Man 
baute doch nicht Schritt für Schritt aufs Geratewohl hin, sondern 
legte von vornherein den Grundriss für das Ganze an. Die Differenzen 
in den Pfeilerabständen der westlichen und östlichen Hälfte lassen 
sich weit eher durch ein kontinuierliches Fortschreiten der Grund- 
legung von Osten her erklären. Die Breite der Abseiten war durch 
Hermann schon fixiert. Nun sind die fünf östlichen Traveen in beiden 
Seitenschiffen nicht genau ebenso lang als breit; von der sechsten an 
bis zur Westwand aber bilden sie genaue Quadrate. Möglich ist es 
daher, dass man beim Abmessen der Pfeiler erst nach dem fünften 
von Osten her inne ward, dass die Abseiten keine richtigen Quadrate 
enthielten, und diesem Mangel nun in der westlichen Hälfte abhalf; 
möglich, weil der Langhausmeister in allen Stücken überaus streng 
und peinlich in der geometrischen Richtigkeit war. 



1 



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Das mittlere überragt natürlich die beiden seitlichen um ein be- 
deutendes und füllt gerade den ihm zugewiesenen Rahmen aus, 
der freilich schmäler ist als die beiden anderen. Während die 
Seitentüren schlicht gehalten sind und ihr ganzer Schmuck in der 
rundbogigen engen Herumführung des allgemeinen Wulstrahmens 
besteht, ist das Mittelportal eingeschrägt und durch Kanten und 
Säulen gegliedert. Da nun aber hier das ganze verwickelte 
Kämpferprofil mit samt dem unteren Wulstteil angewendet und 
nach beiden Seiten hin, auch nach aussen, um ein recht über- 
flüssig eingeschobenes vertikales Rahmenstück verkröpft ist, die 
ganze vielgestaltige und breite Masse des so entstandenen Ge- 
wändes auch noch im Rundbogen darüber fortgeführt wird, so 
entsteht ein höchst schwerfälliges Durcheinander von kaum ent- 
wirrbaren Architekturgliedern. Namentlich wirken die überhäuften, 
kompakten Formen des breiten Kämpfers missgestaltet, der an 
und für sich schon zu schwer für das Portal, nun aber noch dazu 
auf jeder Seite nicht weniger als zehn Mal gebrochen ist! Hier 
drängt sich inmitten der sonstigen Sparsamkeit an Details, die das 
ganze Langhaus samt der Fassade auszeichnet, ein solcher Schwulst 
synonymer Glieder zusammen, dass das Unökonomische und 
Prätentiöse dieser Verteilung sofort auffallen muss. Wahrscheinlich 
schwebte dem Meister schon ein Gebilde vor, das an das wieder- 
aufgedeckte Portal von St. Dionys zu Esslingen anklingt; aber 
man braucht dieses nur im Geiste dagegen zu halten, um zu er- 
kennen, wie mangelhaft sein Kompositionstalent, wie wenig ge- 
eignet seine starren romanischen Formen zu einer derartigen 
Schöpfung waren. 

Erfindungsgabe scheint diesem Meister überhaupt versagt zu 
sein, und nur seinem Sinn für strenge Proportion, für klare Linien 
und gute Detailausführung ist der verhältnismässig gefällige Ein- 
druck zu verdanken, den sein Werk macht, vornehmlich in der . 
ruhigen stolzen Aussenansicht. Denn auch die Gliederung der 
Portalanlage durch wulstartiges Rahmenwerk ist ihm schon von 
der Hirsauer Schule überliefert gewesen, und nur die reichere, 
nicht eben glückliche Verwendung im Grossen ist sein Werk; 
Eine Weiterführung des wie in Maulbronn gebildeten Sockelprofils, 
um die rundbogigen Portale (wie an den Maulbronner Seitentüren) 
findet sich schon in S. Aurelien zu Hirsau (n. Jahrhundert), 



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ebenso in S.Peter, in dem Hirsauischen Simmersfeld (vor lioo), 1 
ferner in Schwäbisch-Hall (1156 geweiht), in Belsen (ca. 1150), 
auch in Plieningen; die rechteckige Umrahmung des Portals, mit- 
unter auch nur des Rundbogens allein, vor allem in Sachsen: 
Erfurter Peterskloster (1103—47), Vessera, Münchenlohra; in 
Franken am Würzburger Dom (11. Jahrhundert); später als 
Maulbronn noch an vielen Stellen. 

Demnach darf man das Maulbronner Langhaus als einen 
Abkömmling altschwäbischer Baukunst ansehen. 2 Das Wenige, 
was über die unumgänglich notwendigen Bauglieder und über das 
von Hermann Ueberkommene hinausgeht — Arkadensims und 
Fassadenbehandlung — , findet seine Wurzel in Hirsau; ja, alt- 
schwäbischer Gewohnheit zuliebe wird ein echt zisterziensischer 
Gedanke bei Seite geschoben, die schon begonnene Wölbung 
einer Flachdecke geopfert. Auch hier wieder zeigt es sich, 
dass Rückwärtsschauen zu keinem Segen gereicht; die Sinnes- 
weise Hermanns trug die Bürgschaft grossen Fortschreitens in 
sich, der Meister des Langhauses gelangte zu keinem über die 
allgemeine Schablone hinausreichenden Resultat, ja er blieb noch 
weit zurück hinter den ineisten Hirsauer Bauten. Darum vermochte 
auch die Maulbronner Kirche keine Schule zu bilden ; nur dürftige 
Anlehnungen kommen hie und da vor. Am Aeusseren kommt 
freilich die Ungleichheit ihrer historischen Bestandteile nicht zur 
Geltung, da erscheint sie mit ihrer hohen Kreuzform ganz ein- 
heitlich ; die Innenwirkung aber gelangt über ein rein malerisches 
Element, den Kontrast der dunklen, engen Querarme zum hoch- 
gewölbten Chor, kaum hinaus — es ist und bleibt ein Torso, 
dem ein geringerer Geist die fehlenden drei Viertel Bestandteile 
ansetzte. 



Die übrigen Werke romanisohen Stils. 

Ausser der Kirche sind nur noch zwei Reste romanischer 
Architektur erhalten geblieben, der Gang mit den Arkadenfenstern 



1 Vergl. Hager, Die romanische Kirchenbaukunst Schwabens S. 63. 

2 Ebenso Dehio und v. BezoM I, S. 533 f. Hager, S. 85. 



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am ehemaligen Herrenhause und das mittlere Stück des Lettners 
oder der Chorschranken 1 in der Kirche. 

Dass in dem von der Kirche entferntesten Teil der eigent- 
lichen Klosteranlage, am Herrenhaus, 2 romanische Spuren auf 
einen hier schon früh errichteten Bau hinweisen, bezeugt von 
neuem die Richtigkeit der Vermutung, dass der Plan der ganzen 
Anlage in seiner jetzigen Gestalt von Anfang an feststand. Er- 
halten hat sich lediglich das Untergeschoss einer Mauer, die sich 
nach Aussen in zwei Doppelarkaden öffnet. Die beiden Rund- 
bogen werden je in der Mitte von einem runden resp. achteckigen 
Säulchen getragen; beide sind stark verjüngt, haben Basen mit 
gerillten Eckknollen, die den Langhausbasen nahestehen, und eine 
weitausgeschwungene Kämpferplatte, wie sie der romanische Stil 
für solche Zwillingsfenster überall ausgebildet hat. Das eine Ka- 
pitell trägt einfache Würfelform, sehr ähnlich der an den Arkaden- 
säulen des Langhauses, das andere eine Art Kelch mit an den 
Ecken eingerollten grossen Blättern — beides schwäbische Kapitell- 
formen. 5 Auch der Beschlag der feinen, grossen Quadern 4 ist 
derselbe, der in der vierten Periode vornehmlich angewendet wird. 
Nach alledem wird man sagen können, dass sich der Bau dieser 
Teile an die Vollendung des Langhauses anschloss, vielleicht 
sogar von demselben Meister war. 

Solche Gänge finden sich häufig bei Palastbauten des 12. 
und 13. Jahrhunderts. K. Simon b nennt als einen „im Prinzip- 
ihm gleichartigen 44 den Gang im Erdgeschoss der Wartburg ; aber 
auch Bauten, wie die erhaltenen Arkaden der Kaiserpfalzen zu 

1 Lettner in strengem Sinne ist das erhaltene Stück der Chor- 
schranken nicht, da nur die Schranke des Chorhauptes, welche ein 
Lektorium tr3gt, so genannt wird, während die der Maulbronner 
Kirche fast die Mitte des Langhauses bezeichnen. Dehio und v. Bezold 
II, S. 28. 

2 Paulus, Maulbronn, S. 23 f. 77. Es diente zur Aufnahme vor- 
nehmer Gäste, und für den Reichtum und das Ansehen Maulbronns 
schon im 12. Jahrhundert ist es bezeichnend, dass man gerade dieses 
Haus noch vor Kreuzgang, Speisesaal und Mönchswohnung monu- 
mental zu errichten unternahm. 

* Siehe S. 12 Anm. 1. 

* Von eigentümlichem wabenartigem Muster. Man hat in Maul- 
bronn mit Erfolg versucht, diesen «Klosterhiebt wieder herauszube- 
kommen und ihn bei den ErgSnzungsbauten angewendet. 

* Studien zum romanischen Wohnbau S. 229 ff., wo viel Treffendes 
Uber die Verwandtschaft von Kloster- und Burganlagen gesagt wird. 



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\ 



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Wimpfen a. B., Gelnhausen etc. vertreten ja dasselbe Prinzip : 
es ist ein nach aussen sich fensterartig öffnender Gang an der 
Langseite des Palas, der den Zugang für die sich in ihn öffnen- 
den Gemächer vorstellt. Da das Herrenhaus weltlichen Zwecken 
diente, der Beherbergung vornehmer Gäste, ist eine solche Ueber- 
einstimmung mit Burgeinrichtungen weiter nicht merkwürdig; der 
Charakter des mittelalterlichen Wohnhauses brachte diese Formen 
mit sich. Wie der übrige Teil des Maulbronner Herrenhauses 
aussah, ist infolge der späteren Umbauten und Zerstörungen nicht 
mehr zu ermitteln. 



Endlich fallt noch in das 12. Jahrhundert die Ausführung der 
steinernen Chorschranken in der Kirche, von denen jedoch nur 
das mittlere Stück zwischen dem sechsten Pfeilerpaare des Lang- 
hauses erhalten ist. Im linken Seitenschiff wurde in spätgotischer 
Zeit der Zwischenbau mit reichem Detail erneuert ; an seiner Rück- 
seite sind Stücke eines fein verzierten Rundbogenfrieses ein- 
gemauert, von denen es aber nicht feststeht, ob sie zu den ro- 
manischen Schranken gehörten, da sie an den erhaltenen Teilen 
keine Parallelen finden und viel zu niedrig liegen, um diesen 
Platz aus der alten Anordnung beibehalten zu haben. 

Im rechten Seitenschiff sind die Schranken abgebrochen worden, 
als die gotischen Kapellen dort angebaut wurden. Denn nun bedurf- 
ten die Mönche eines Zugangs zu den Kapellen, und es wurde das 
ganze rechte Seitenschiff gegen den Hauptraum durch (hölzerne) 
Schranken abgesperrt. 1 Die Klausur für die Mönche musste 
ringsum geschlossen sein ; es gibt nur einen Ausgang in die Aussen- 
welt, den Ern, in Maulbronn zwischen Keller und Laienrefektorium 
im Westen gelegen. Dies ist in allen Zisterzienserklöstern zu 
verfolgen, in denen noch die Klausurgebäude erhalten sind. In 
der Kirche dienten die Schranken dazu, den Mönchschor von dem 
Laienraum — der auch für die conversi, die arbeitenden Kloster- 
brüder, bestimmt war — strenge zu scheiden. Alle Oeffnungen, 

1 Paulus, Maulbronn, S. a5. Aehnlich muss die Anlage in Eber- 
bach gewesen sein, wo in derselben Weise später SUdkapellen angebaut 
wurden. Vcrgl. Schäfer, Eberbach, S. 2 3 (nuch Uber die Begrenzung 
der Klausur). 



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die diese Klausur scheinbar durchbrechen, sind keine ursprüng- 
lichen ; so in Maulbronn die aus der Laienkirche in den Kreuz- 
gang, die aus dem Kreuzgang ins Laienrefektorium führenden 
Pforten. Uebrigens sind aus dem frühen Mittelalter nur sehr 
wenige Chorschranken erhalten, und die Maulbronner bilden in 
ihrer monumentalen Gestalt ein würdiges Gegenstück zu manchen 
späteren und reicher verzierten. 

Der Lettner (Fig. 14, 9) ist nicht hoch — gerade zwei Drittel 
Pfeilerhöhe — , durch einen klaren Schachbrettfries oben abge- 
schlossen und in der Komposition breit und wuchtig. Die Haupt- 
accente geben die beiden rundbogigen Portale an ; zwischen ihnen 
eine grössere, von einem Bogen überspannte Mauerblende ; zu 
äusserst kleinere, vertikal geführte Blenden. Ganz entsprechend 
die Rückseite. 

Das Interessante daran ist nun aber das Prinzip der tek- 
tonischen Gliederung. Es sind nur Architekturglieder venvendet, 
kein plastisches Detail, nicht einmal Kapitelle. Die Basis der 
Schiffspfeiler wird aufgenommen, erst als Sockel, dann im Bogen 
anschliessend um die Portale geführt. An der Innenseite um- 
springt sie den Rahmen der Blende und setzt sich in ihrem Innern 
ringsum als Einfassung fort ; mit ähnlich pikanter Wirkung funk- 
tioniert sie als Basis an den inneren Portalschrägen : es ist genau 
dasselbe System der Umschaltung eines Profils von horizontaler 
in vertikale Richtung, wie an der Kirchenfassade. Aber man 
beachte wohl den Unterschied in der Behandlung: am Portal ein 
unorganisches Anhäufen gleichbedeutender Glieder, ein grosses, 
strenges Rahmenwerk; hier ein auf- und absteigender Rhythmus 
voll Lebendigkeit, eine geistvolle Verwendung gleichbleibender 
Formen für mannigfache Zwecke. Hier sind die Profilierungen 
ausdrucksvoll; die verschiedene Bedeutung, in der dieselbe Form 
auftritt, verleiht ihr jedesmal ein anderes Interesse. Als Ein- 
fassung der kleinen Blenden und an einigen anderen Stellen wird 
das Karniesprofil verwertet; und merkwürdig ist das ganze Ge- 
fühl, in dem diese tcktonischen Formen gehandhabt sind. In 
ihnen lebt gleichsam das Bestreben, ihre innere Natur zu offen- 
baren, die Selbständigkeit der einzelnen Glieder für das Auge zu 
zerlegen ; das gesamte Profil gibt sich als ein unendliches, in be- 
liebiger Richtung fortgesetztes Band, das entweder in sich selbst 



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verläuft oder umgebogen und abgeschnitten werden muss, um ein- 
mal zu Ende zu kommen; der Wulst ist charakterisiert als ein- 
gelegter Rundstab in einer Hohlkehle. Sehr originell ist auch der 
Kontrast von winzigen Basen für einen durchlaufenden Rundstab 
und der normalen Portalbasis. Oder es wird etwa die Endigung 
eines Karniesprofiles wie aus fügsamem Teig behandelt und schmiegt 
sich blattartig um das anstossende Glied. 

Ich kenne im rein romanischen Stil keinen Fall, wo tradi- 
tionelle tektonische Formen mit so spielender Souveränität ge- 
handhabt würden. Und diese Eleganz des ausklingenden ro- 
manischen Stils, diese barocke „Umdichtung" nicht mehr ganz zeit- 
gemässer Formen erinnert lebhaft an verwandte, nur viel aus- 
gedehntere Erscheinungen der Spätgotik. Der Maulbronner Lettner 
ist ein merkwürdiges Belegstück dafür, dass die Formenwelt des 
frühen Mittelalters sich ausgelebt hatte und dem Bedürfnis, Neues 
bedeutend auszudrücken, nicht mehr genügen konnte. Ein un- 
geduldiger Geist scheint hier gleichsam mit den starren Fesseln 
des Ueberkommenen zu ringen, und ein spielerisches Ausarten 
des Stiles ist die Folge. 

Ein so origineller Künstler wie der der Chorschranken hat 
nichts mit dem trockenen Langhausmeister zu schaffen. Er über- 
nahm das Prinzip der Gliederung von der Fassade und zeigte 
sich dadurch meinetwegen als seinen Schüler, wahrscheinlich als 
einheimischen, der schwäbischen Schule erwachsenen Meister. Im 
zweiten Teil werde ich versuchen, seine Identität mit dem Er- 
bauer von Keller und Laienrefektorium nachzuweisen. Der Lettner 
steht an der Scheidegrenze des romanischen Stils, und man kann 
die Notwendigkeit und den Uebergang zum nachromanischen Stil 
hier in Maulbronn wie an einem Musterbeispiel verfolgen. Da der 
Keller um 1201 begonnen ist, darf das letzte rein romanische 
Werk mit ziemlicher Sicherheit kurz vorher, in die letzten Jahre 
des 12. Jahrhunderts versetzt werden. 




II. ABSCHNITT. 



Der Dom zu Worms. 1 

Bischof Konrad IL, der von 1171 — 92 den bischöflichen Stuhl 
von Worms inne hatte, beschloss eine Erneuerung seines Doms 
unter Beibehaltung des alten Grundplanes von Bischof Burkard 
(lOOO— 1025). 2 Da im Jahre 1181 bereits von einer Weihe be- 
richtet wird, die der neue Dom gelegentlich der Anwesenheit 
Kaiser Friedrichs erfuhr, so muss mit dem Neubau bald nach 
Regierungsantritt Konrads begonnen worden sein; dennoch kann 
der ganze Dom — mit Ausnahme des 1234 beendeten West- 
chors — nicht in diesen 10 Jahren entstanden sein. Vielmehr 
zeigen die Ostteile eine vom Langhaus abweichende Gestaltung 
und sind wohl als der Teil zu betrachten, auf den das Datum 
geht. Die Gewölbe des Langhauses mit ihren gotisierenden Rippen 
erscheinen jünger als die von Chor und Querschiff, die Gliederung 
der Sargmauern mit verschiedenartigen Blenden und die weit 
grösser gestalteten Basen weisen auf einen anderen Architekten hin» 

Der Erbauer der Ostteile ist aber aller Wahrscheinlichkeit 
nach der Maulbronner Meister Hermann. Ich habe nachgewiesen, 
dass diese Tatsache chronologisch möglich ist ; 8 ich gehe nun 
daran, sie architektonisch nachzuweisen. Die Proportionen des 
Raumes stimmen überein, auch in Worms ist das Verhältnis von 
Tiefe zur Höhe im Chor und Kreuzflügel =1:2. Die Gewölbe 



1 Kunstdenkmäler des Grossherzogtums Hessen, Kreis Worms, 
von Wörner. »887, S. 143 ff. (Abb.) Dehio und v. Bezold I, S. 474. 
a Dehio und v. Bezold I, S. 474. 
3 Vergl. S. 10. 

3 



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werden von schlusssteinlosen Rippen mit halbkreisförmigem Zug 
getragen und sind in derselben busigen Art, mit Halbkreis- 
Schildbögen, gebildet, wie in Maulbronn, stützen also ihre Haupt- 
last nicht allein auf die Rippen. Als Gewölbeträger dienen die- 
selben Eck vorlagen mit Drei viert elsäulen, die zwar etwas grösser 
in den Dimensionen sind, aber die gleichen verkröpften Kämpfer 
mit dem unteren Wulst tragen, von welchen dann die Rippen 
genau so aufsteigen, wie es im Maulbronner Chor geschieht. Die 
Unterschiede in der Abmessung der Basen sind verschwindend 
gering, 1 und ebenso klein die Abweichungen in anderen Details: 
so, wenn das obere Glied des Kämpfers um einen kleinen Rund- 
stab bereichert und damit nach der symmetrischen Seite hin ver- 
bessert wird, so wenn die Rippen ohne Profilierung einfach recht- 
eckigen Schuitt erhalten. Bedeuten diese kleinen Abänderungen 
teilweise einen Fortschritt, so ist in der Profilierung der Fenster 
allerdings die gleiche Gliederfolge beibehalten, wie in denen zu 
Maulbronn, indes lange nicht in Worms die geschmackvolle Feinheit 
erreicht, die namentlich das untere der .erhaltenen Maulbronner 
Chorfenster besitzt. 

Entsprechend der grösseren Aufgabe hat aber Hermann seine 
Fähigkeit in Worms besser entfalten können als in Maulbronn. 
Dort war er schon im Ornament aufs Aeusserste beschränkt, 
das er hier nicht aufdringlich, aber vielgestaltig verwendet. Vor 
allem trefflich ist ein eierstabähnliches Muster, in origineller Stech- 
manier in den Stein vertieft, 2 das er vielfach gebraucht. Aber 
auch die süddeutsche Phantastik der romanischen Kunst kommt 
zu ihrem Recht in den grossen Fratzenköpfen an den Bogen- 
friesen der Rundtürme; und in den Fenstern und unter den 
Zwergarkaden des Chores kauern Löwen und mannigfache Bestien. 
Mir scheint die Verwendung dieser plastischen Ungeheuer, die 
in ganz derselben Weise in Schwaben fast überall zu finden sind, 3 
ungemein zu Gunsten einer schwäbischen Abkunft des Meisters 
zu sprechen, der im zisterziensischen Maulbronn nicht wagen 
durfte, seine Dekorationsphantasie zu entfalten, sondern allein 

1 Z. B. 28 : 33 cm hoch, Ausladung 14 : i5 cm. 

2 Abgebildet Kreis Worms S. 166. 

3 Vefgl. im II. Abschnitt des II. Teiles unter II.: Mittelbare Ein- 
flüsse MauTbronns in Schwaben. 




1 



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seine konstruktiven Fähigkeiten. Hingegen sind solche Dinge am 
Rheine nicht heimisch. 

In der Raumwirkung aber hat der Meister wohl das erlangt, 
wonach er in Maulbronn vergeblich strebte. Die hohen, freien 
Proportionen seiner Wölbungen kommen zur imposanten Geltung, 
die Kreuzflügel wirken so bedeutend wie die Zentralkuppel. Ge- 
rade diese beweist sein Geschick in der Wölbetechnik glänzend; 
wie er mittelst Pendentifs in den Ecken das regelmässige Oktogon 
aus der Vierung entwickelt, ist musterhaft, und auch in dem 
Kuppelraum bewährt sich sein Sinn für das Grosse und Einfache. 
Die gediegene Technik in roten Sandsteinquadern tut das Ihrige 
dazu, und die Aehnlichkeit des schönen Mauerverbandes mit 
Maulbronn ist so gross, dass sie mir beim ersten Blick schon 
draussen auffiel, ehe ich noch die mutmassliche Abstammung von 
demselben Meister entdeckt hatte. Es ist natürlich nicht möglich, 
mit Sicherheit zu behaupten, dass diese Erbauer die nämlichen 
sind; die stilistische Wahrscheinlichkeit kommt aber der Gewissheit 
sehr nahe. 

Die kunsthistorische Betrachtung des Wormser Domes hat 
bisher an dem Fehler gelitten, Ostteile und Langhaus nicht ge- 
nügend zu unterscheiden und den ganzen Hau von Speyer und 
Mainz abhängen zu lassen. 1 Am meisten Schwierigkeit hat der 
Abschluss des Ostchores gemacht. Innen ist die Apsis rund nach 
romanischer Weise, aussen schliesst der Chor gerade und wird 
von zwei Rundtünnen flankiert und von einem Giebel mit Zwerg- 
galerie in rheinischer Art gekrönt, die sich auch um die Türme 
fortsetzt. Dass die runde Apsis das Primäre, schon von dem 
Burkardischen Bau aus dem Anfang des 1 1 . Jahrhunderts Her- 
rührende sei, leuchtet ohne weiteres ein ; Hermann, der von Maul- 
bronn her kam, wäre schwerlich auf den Gedanken geraten, in 
den graden Schluss eine runde Apsis „einschachteln" zu wollen. 



1 Schnaasc IV, S. 383, Kligler II, S. 455, der das Kämpferprohl 
als eine Art von WUrfelkapitell betrachtet und auf die Mainzer Gott- 
bardskapelle hinweist, deren WUrfelkapitell aber nichts mit Worms 
zu tun hat. In der Anordnung des Ostchors sieht er eine Verstärkung 
des alten Chorbaues gegen den Gewölbedruck. Otte, Baukunst, S. 
338 ff. betrachtet den Susseren Chorschluss aus unzureichenden Gründen 
als das Ursprüngliche, die runde Apsis sei später «eingeschachtelt» ; 
das Detail will er dem Mainzer Dom entnommen wissen. 



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Er hat sich vielmehr genötigt gesehen, einen rechteckigen Aussen - 
bau an die Rundnische heranzusetzen und die Einführung des 
Lichtes auf die künstliche Weise zu bewerkstelligen, die an den 
Chorfenstern so auffällig hervortritt. Einmal war er ja wohl von 
Schwaben und von Maulbronn her an den geraden Abschluss ge- 
wöhnt; und dann wollte er die Giebelseite seines Chores denen 
der Kreuzflügel gleichgestalten. Dazu kam aber die Anordnung 
der Türme zu beiden Seiten, die, mag sie alt sein oder erst jetzt, 
nach rheinischer Art, beschlossen, so weit nach Osten vorgeschoben 
waren, dass eine runde Apsis zwischen ihnen ganz unbedeutend 
erschienen, ja von ihnen erdrückt worden wäre. Ein Giebel 
hinter den Türmen, mit Beibehaltung der Apsis, hätte eine viel 
zu schmale Basis gehabt und wäre unangemessen gegen die 
Kreuzgiebel zurückgeblieben. Darum musste die Apsis ganz ver- 
deckt und überbaut werden. Die volle Breite des Giebels ist 
nun zwar erreicht, allein er fühlt sich auch so zwischen den ein- 
engenden Türmen nicht sehr behaglich. 

Das Langhaus rührt nicht mehr aus dieser Periode her, wie 
schon gesagt. Es scheint, dass nach Vollendung der Chorteile 
längere oder kürzere Stockungen eintraten; wenigstens sind die 
Spuren von Bauänderungen zahlreich und werden sich kaum zu 
einem System vereinigen lassen. Gegen die ruhige Grösse und 
Klarheit der Chorpartie sticht die Unruhe in den westlichen Teilen 
merklich ab. 



Ellwangen. 

Die Stiftskirche zu Ellwangen stammt ihrem Grundriss nach 
aus dem Anfange des 12. Jahrhunderts, in dem von ihrer Neuer- 
richtung gemeldet wird. 1 Der Grundriss mit engen Nebenchören 
und mit einer Vorhalle im Westen gehört nämlich der Hirsauer 
Bauschule des Abtes Wilhelm an. 2 In Hirsau selbst scheint die 



i F. J. Schwarz, die ehemalige Benediktiner-Abteikirche zum 
heiligen Vitus in Ellwangen, 1882, (Abb.) S. 18. Die kunsthistorischen 
Erörterungen des Verfassers sind von Grund aus verfehlt und bedürfen 
weiter keiner Widerlegung. 

* Vergl. Paulus, in den Kunstdenkmalen des Schwarzwaldkreises, 
S. 46 &. Dehio und v. Bezold I, S. 211. 



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Peter-Paulskirche allerdings flachen Chorschluss gehabt zu haben ; 
aber die Tochterbauten zeigen durchgehends dieselbe Anordnung 
wie Ellwangen, so unter anderem Schwarzach in Baden, Paulin- 
zella, Breitenau und andere in Sachsen. 1 Ihre Uebereinstimmung 
untereinander ist sehr gross, selbst die Abmessungen decken sich 
vielfach ; vollkommen identisch aber sind die Pläne von Ellwangen 
und Königslutter bei Braunschweig. Alle diese Kirchen, welche 
offenbar eines Geistes sind, entstanden um den Anfang des 12. 
Jahrhunderts, also muss es wohl auch mit Ellwangen so sein ; 8 
und da Königslutter im Jahre 1 135 vom Kaiser Lothar als Be- 
nediktinerstift gegründet ward, 3 ist es begreiflich, dass man den 
Plan dazu von Ellwangen entlehnte, 4 wohin erstlich die alten 
Hirsauer Schulbeziehungen Sachsens und dann die Gemeinschaft 
der Benediktiner-Kongregation wiesen, welcher Ellwangen gleich- 
falls angehört. 

Die jetzige Kirche aber ist mit Beibehaltung des hirsauischen 
Grundrisses im 13. Jahrhundert gebaut worden und von dem 
System des Wormser Domes beeinflusst. Das haben schon 
Dehio und v. Bezold vermutet, * und ich möchte diesen Gedanken 
etwas weiter ausführen. Da 1 180 und 1201 Brände und die letzte 
Weihe 1 233 gemeldet werden, so fällt der Baubeginn der bedeu- 
tendsten gewölbten Basilika Schwabens aus der romanischen Zeit 
sicher in den Anfang des 13. Jahrhunderts. Dem entspricht es, 
dass das Langhaussystem sich schon an das von Worms anlehnt, 
welches jedenfalls nicht vor 1181 angefangen wurde. Das ge- 
bundene Svstem mit den das Arkadengesims durchschneidenden 
Pfeilervorlagen und den Triforiumsblenden — die sich in dieser 
Gestalt erst vom zweiten östlichen Joch an in Worms finden — 
ist direkt dem rheinischen Dom entnommen ; allein die Mauer- 
flächen breiten sich grösser aus und die Proportionen sind breiter 



1 Dehio und v. Bezold Tafel 5i. 

* Denn was für einen Grund hätte man im i3. Jahrhundert ge- 
habt, den alten Hirsauer Grundriss von Königslutter zu kopieren? 

3 Dehio und v. Bezold I, S. 468. Bau- und Kunstdenfcmäler des 
Herzogtums Braunschweig, I. Band Kreis Helmstedt, 1806, S. 204 fr. 

* Und nicht von S. Godehard-Hildesheim (Kreis Helmstedt S. 
217), das einen ganz abweichenden Chorschluss besitzt. 

» I, S. 474?. Hager, Kirchenbaukunst Schwabens, S. 38 ff., findet 
gleichfalls rheinische Beziehungen. 



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in Ellwangen. Gedrungenere Verhältnisse kennzeichnen überhaupt 
den ganzen Aufbau, und diese lehnen sich merkwürdiger Weise 
an die Ostpartien in Worms an, mit denen sie sich nahezu 
decken. 1 Daraus leuchtet mit genügender Klarheit die Grund- 
ähnlichkeit der Anschauung bei Hermann und dem Erbauer von 
Ellwangen hervor ; beide stammten aus Schwaben, wo sich ro- 
manisches Raumgefühl und romanische Dekoration so lange ganz 
rein erhielt. Der schwäbisch-romanische Bautypus spricht sich in 
der Ellwanger Kirche ganz klar und einheitlich aus, und der 
rheinische Gewölbebau hat bei ihr lediglich Pate gestanden. 

Dies beweisen vollends die Gewölbe, die mit ihrer ungemein 
starken, sich der Kuppel tatsächlich nähernden Busung * die 
nächsten Parallelen in Denkendorf und Faurndau finden ; die 
konstruktive Bedeutung der Rippen ist auf ein Mindestmass herab- 
gesunken, und der Hauptnachdruck liegt wie bei den meisten 
Rippengewölben Schwabens auf ihrem dekorativen Wert. Die 
Intrados der Kappen bilden in Worms eine Art parabolische, in 
Ellwangen eine Kreislinie. Auch kehrt der Erbauer von Ell- 
wangen durchweg zum Rundbogen zurück, der in Hermanns Ost- 
bau geherrscht hatte — während das Wormser Langhaus spitz- 
bogige Gurte und Schildbögen besitzt — und nur in der Führung 
der Diagonalen folgt er dem Wormser Langhaus, das gedrückte 
Spitzbogen hat, fast genau von derselben Konstruktion ; wogegen 
Hermann im Chor die Diagonalen konstant im Halbkreis führt. 

Auch die Gewölbeträger, welche für die Gurten rechteckige 
Vorlagen, für die Rippen eingelegte Eckdienste gebrauchen, stam- 
men nicht aus dem Langhaus mit seinem unvollkommenen Pfei- 
lersystem, sondern aus den Ostteilen von Worms. Die Kämpfer 

1 Im Einzelnen sind die Proportionen : lichte Breite des Mittel- 
schiffs bezw. Chors in Worms zur Hohe der Gurtbögen: Worms 3 : 12, 
Ellwangen ca. 5 : 11. Lichte Breite des Mittelschiffs zur Kämpferhöhe: 
Worms" 5 : 9, Ellwangen 3 : 5. Traveenbreite zur Höhe der Gurtbögen 
(Längsaufriss) : Wormser Langhaus 11 : 24, Ostteile 7 : 12, Ellwangen 
ca. 4:7. 

2 Da eine Gewölbeabteilung in kreisförmigen, horizontalen 
Schichten — also wirklich kuppelartig — ausgeführt ist, so liegt auch 
der Gedanke einer Beeinflussung vom westlichen Frankreich nahe, wo 
solche Kuppelgewölbe üblich waren, indes kann diese Anomalie 
auch aus zweiter Hand stammen, nämlich vom Niederrhein oder von 
Westfalen her, wohin jene Gewölbeform verpflanzt wurde (nach 
gütiger Mitteilung von Herrn Prof. Dehio). 



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mit dem Wulst sind den dortigen nachgebildet, nur hat das obere 
Glied die klarere Form einer umgekehrten attischen Basis von 
eigentümlich schwungvollem Rhythmus. Das übrige Detail ist vol- 
lends unabhängig, und die Ornamentik gehört in jene südschwä- 
bische Sphäre hinein, von der ich später berichten werde. 1 
Schwäbisch ist auch die Anlage der auf drei Seiten offenen Turm- 
vorhalle; wenigstens findet sich schon im 12. Jahrhundert ein 
Beispiel dafür in der Michaelskirche zu Schwäbisch-Hall, an wel- 
cher der Turm der einzige romanische Ueberrest ist. 



Von Ellwangen abhängige Bauten. 

Es müsste Wunder nehmen, wenn ein so bedeutender und 
überlegener Gewölbebau wie die Stiftskirche von Ellwangen nicht 
Schule gemacht hätte. Tatsächlich finden sich in dem schwäbisch- 
fränkischen Gebiet nördlich von Ellwangen davon die deutlichsten 
Spuren ; allein bei dem gegenwartigen Zustande der Kirchen, die 
schon in gotischer Zeit grosse Veränderungen erlitten haben, ist 
als vollständiges Schulbeispiel nur Wölchingen (im badischen 
Kreise Tauberbischofsheim) anzuführen. 

Die Kirche zu Wölchingen 2 ist vor allem im Grundriss 
eine wenn auch vereinfachte Kopie von Ellwangen. Im Chor 
ist das auffallende (aus Burgund stammende) Apsidensystem von 
Ell wangen in der Art modifiziert, dass die Seitenchöre neben dem 
Hauptchor fortfallen und nur die Apsiden an der Ostseite der 
Kreuzflügel beibehalten sind ; reduziert sind auch die Hauptpfeiler, 
im übrigen sehen sich die Grundrisse sehr ähnlich. Im System 

1 Vgl. im II. Teil 3. Der Ellwanger Kreis. An rheinische 
Muster klingt noch die Rippenform an, diese oder ähnliche kommen 
vor in Arnsburg und in St. Andreas-Köln, sowie in Magdeburg (Chor- 
kapellen). 

3 Die Kunstdenkmale des Grossherzogtums Baden. IV. Bd. II. 
Abt. Amtsbezirk Tauberbischofsheim, von Oechelhausen 1898, S. 227fr. 
Aus den Nachrichten über die Johanniter, die i23q einen «Hol«, 1249 
eine «Kommende« in Wölchingen besassen, geht doch eher hervor, 
dass die Kirche um die Mitte des i3, Jahrhunderts, jedenfalls aber 
nach der Ellwanger, entstanden sei, als um 1200, wie Oechelhäuser 
S. 240 annimmt ! 



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treten gleichfalls Aenderungen ein ; so wird das Gesims über den 
Arkaden auch um die Vorlagen der Hauptteile verkröpft. Die 
Gewölbe zeigen noch starke Busung, doch äussert sich der vor- 
geschrittene Sinn des Uebergangsstiles darin, dass die Rippen weit 
mehr konstruktive Bedeutung haben als in Ellwangen ; sie bilden 
Halbkreise, die Schildbögen haben aber auffallenderweise keine 
reine, sondern parabolische Form, die sich sehr merkwürdig macht. 
Denn alle Gurten und Arkaden sind spitzbogig. 

In den Details offenbart sich am stärksten der Einfluss der 
Ellwangen-Faurndauer Sphäre ; derselbe verschlungene, mit Dia- 
manten geschmückte, mit Ornamenten und Tieren ausgesetzte 
Rundbogenfries, das nämliche verflochtene Bandwerk und Fabel- 
wesen ; auch ist die Technik der Steinarbeit die nämliche. 1 In 
allem ist die Wölchinger Kirche ein stattliches Seitenstück zur 
Ellwanger, wenn sie auch bei geringerer Ausdehnung nicht so 
imposant wirkt; und bei dem prinzipiellen Mangel an ganz ge- 
wölbten Kirchen in Schwaben umso beachtenswerter. Allerdings 
liegt sie nicht eigentlich im schwäbischen Gebiet, sondern bereits 
in Mittelfranken, woran einige Bildungen auch erinnern, z. B. die 
Kelchwürfelkapitelle ; allein hier fällt die künstlerische Deszendenz 
schwerer ins Gewicht als die engen Stammesgrenzen, die in der 
Kunstgeschichte Schwabens viel mehr nördlich gezogen werden 
müssen. 

Von der Propsteikirche zu Hohenberg,- in der Nähe 
von Ellwangen, hat sich nur wenig von Bedeutung erhalten. In- 
des lässt die jetzt restaurierte Kirche erkennen, dass der Plan der 
Ostpartie dem von Wölchingen genau entspricht. Gegenüber re- 
duzierten Grundrissen der Hirsauer Schule, wie z. B. Neckartail- 
fingen, Brenz, Faurndau etc. haben sie das mit Ellwangen gemein, 
dass die Nebenapsiden den Kreuzarmen zugefügt sind und mit 
den Abseiten in gar keinem Konnex stehen ; während bei jenen 
umgekehrt das Querschiff unterdrückt ist und die Nebenapsiden 
einfach Endigungen der Nebenschiffe bilden, analog dem Haupt- 
chor. Bei Hohenberg und Wölchingen ist dies wieder ein Be- 

1 Vergl. zu alledem im II. Abschnitt 3. Der Ellwanger Kreis. 

s Kunstdenkmale in Württemberg, Jagstkrcis, von Gradmann, 

S. 170 ff. 



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weis für ihre Abhängigkeit von Eilwangen ; denn da sie erst im 
13. Jahrhundert errichtet worden sind, hätte der fortwirkende 
Hirsauer Einfluss sie Weinsberg, Faurndau u. s. f. analog bilden 
müssen, welche sämtlich einander ähnlich, aber sehr verschieden 
von Ellwangen sind. 

Allerdings ist Hohenberg, selbst in den Ostteilen, nur flach 
gedeckt gewesen. Die Dekoration weist aber wieder ganz nach 
Ell wangen. Die Abwesenheit phantastischer Skulpturen, die fein- 
gliederigen Ornamente, ihre sparsame Verwendung sind Ellwanger 
Erzeugnis. Ueberhaupt liegt der Nachdruck wie dort auf den 
ruhigen, einfachen Verhältnissen. Auch der Kämpfer ist gleich, 
nur ohne das grosse untere Polster. 

Von der Stiftskirche zu Feucht wangen, nicht weit von 
Ellwangen, sind aus dieser Zeit nur die Westtürme erhalten, aber 
diese weisen, wenn möglich, noch entschiedener auf Ellwangen 
hin, und es scheint fast, dass derselbe Meister beide gebaut hat. 
Dies zu kontrollieren, geht bei dem Fehlen der eigentlichen Kirche 
nicht an. Aber die Formen sind dieselben; nicht nur die ver- 
schiedenartigen Bogenfriese mit ihren Füllungen und Verschlin- 
gungen, sondern auch der Kämpfer des Portals, welcher genau mit 
dem Ellwanger Profil übereinstimmt. — 

Auf dem Umweg über den Wormser Dom hat der Einfluss 
Hermanns, des Architekten von Maulbronn, auf Schwaben bis 
weit ins 13. Jahrhundert zurückgewirkt. Ein eigentümliches Ent- 
wicklungsbild bietet sich dar. Der Meister, in Maulbronn durch 
allerlei Beschränkungen und schliesslich durch seine Abberufung 
in der vollen Ausführung seiner Ideen gehemmt, konnte sie, so 
darf man wohl annehmen, in bedeutendstem Massstabe am 
Wormser Dom der Wirklichkeit nahe bringen. Aber auch hier 
war es ihm nicht vergönnt, sein Werk zu vollenden, und eine 
jüngere Kraft führte das Langhaus schon weit mehr dem Ueber- 
gangsstil entgegen, als Hermann je gewollt und gekonnt hätte.' 
Was aber im 1 3. Jahrhundert wiederum Bohnensack, der Erbauer 
des Paradieses, nicht geben konnte: das Vorbild einer grossen 
Wölbungsanlage für Schwaben — das holte sich der Ellwanger 



1 Man vergleiche die ungleich schlankeren Proportionen in dem 
Langhaus mit dem einfach ernsten Verhältnis von 1 : 2 im Chor. 



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Meister nun aus dem fernen Werk seines älteren Landsmannes ; 
und im äussersten Nordosten des Landes wirkten dergestalt seine 
fragmentarischen Errungenschaften fort. Die hohen Wölbungen 
von Ellwangen müssen für den Ausfall Maulbronns entschädigen. 
Aber dieses Muster erschien der schwäbischen Bauentwicklung 
zu spät. Als Ellwangen 1 233 vollendet war, gab es kaum mehr 
eine grössere Kirche für den Uebergangsstil in Schwaben zu 
bauen, und alle, die mit jener gleichzeitig errichtet worden sind 
— es ist eine grosse Zahl — halten an der alten ungenügenden 
Flachdecke fest. In ihr liegt der Grund, warum Schwaben aus 
der Geschichte des nachromanischen Kirchenbaues fast gänzlich 
ausscheidet. Man muss sich freilich hüten, in dem Geschick der 
Schöpfungen Hermanns die Ursachen dieser Erscheinung zu su- 
chen ; sie werden wesentlich unabhängig davon in dem ganzen 
schwäbischen Charakter zu finden sein, der über dem Reichtum 
seiner Dekoration die ersten Probleme der Baukunst zu be- 
denken vergass. 



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LEBENSLAUF. 



Ich, Paul Ferdinand Schmidt, geb. zu Goldap in Ostpreussen 
am 7. April 1H78, besuchte die Gymnasien zu ßartenstein, 
Naumburg a. d. S. und Königsberg i. Pr., woselbst ich die Reife- 
prüfung im Oktober 1896 bestand, studierte darauf Jura in Berlin 
und München, da ich nichts Besseres wusste, und bestand zur 
Zeit im Herbst 1899 das Referendar examen. Nachdem ich einige 
Monate an einem ostpreussischen Amtsgericht praktiziert hatte, 
nahm ich meinen Abschied und begab mich nach München, um 
Kunstgeschichte zu studieren. Nachdem ich dort, in Paris und 
in Strassburg mir genügende Kenntnisse erworben hatte, promo- 
vierte ich mit einer Abhandlung über Maulbronn, von der die 
vorliegende Arbeit den ersten Teil bildet, vor der philosophischen 
Fakultät in Strassburg und erlangte im Sommer 1903 die Doktor- 
würde. 



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Vorliegende Arbeit wird in erweitertem Umfang und mit Ab- 
bildungen versehen als Heft 47 in den „Studien zur Deutschen Kunst- 
geschichte^ Verlag von J. H. Ed. Heitz (Heitz vS: Mündel)^ 
Strassburg i. Eis. erscheinen. 



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